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1. Kapitel

„Was soll das heißen?!“ Sora sah Donald fassungslos an. „Sagte ich doch schon, Agrabah ist verschwunden!“ Goofy nickte zustimmend. „Einfach so?!“ „Ja, wir können es nicht mehr sichten.“ Sora fasste sich verzweifelt an den Kopf. „Die Welt ist verloren wenn wir nicht helfen!“ Goofy nickte betroffen. „Wir sollten sie suchen!“, schlug Donald vor worauf Sora nur niedergeschlagen nickte. Was würde ihnen auch anderes übrig bleiben? Immerhin mussten sie die Welten von den Herzlosen befreien. „Machen wir einen Zwischenstopp in Traverse?“, fragte Goofy nun nach worauf Sora seufzend nickte. Also stiegen die Drei wieder in das Gumi-Mobil und hoben ab. Sie hatten grade erst einen Stopp im Wunderland gemacht um sich etwas auszuruhen und um eine Teambesprechung durchzuführen. „Habt ihr eine Ahnung, was für Welten es noch gibt?“ „Keine Ahnung, aber unser Radar zeigte welche an.“, antwortete Goofy auf Sora’s Frage worauf dieser wieder etwas hoffnungsloser schien. „Was ist, wenn diese ganzen anderen Welten auch noch einfach so verschwinden?“ „Dann haben wir ein großes Problem.“ Donald dachte kurz nach, nachdem er dies sagte. Warum passierte so was nur? „Wir können jetzt landen.“ Goofy stand auf als er das hörte,  Sora ebenso. Donald landete das Gumi ordnungsgemäß. Endlich in Traverse angekommen herrschte ein Schweigen, welches keiner der Dreien brechen wollte. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, manche davon waren eher freundlich, die anderen nicht. Schnell schlüpften sie in den nächsten Itemladen und kauften erstmal ein. Knapp bei Kasse waren sie nicht, eher im Gegenteil. Jeder stopfte die Taschen so voll wie es ging, man wusste ja nicht was passieren würde, wenn sie nach der verlorenen Welt suchen würden. „Sollen wir noch bei Aerith, Aerith und Leon vorbeischauen?“ „Nein, wird nicht nötig sein. Wir sollten am besten direkt los fliegen. Wir dürfen keine Zeit verlieren…“, murmelte Sora und ging wieder in Richtung Gumi. Man hatte ihm nie gesagt, dass irgendwelche Welten einfach so verschwinden würden. Donald und Goofy tuschelten irgendwas hinter Sora’s Rücken, aber er bekam nicht mit was es war, er war viel zu sehr mit seinen Gedanken beschäftigt. Wieder im Gumi angekommen ließ er sich auf den Boden sinken. „Na dann los.“, meinte Goofy aufmunternd. Die Ente nickte und steuerte das Gumi planlos durchs All. Sie flogen an einigen Welten vorbei. Der Olymp, das Wunderland, der Dschungel. Nach dem Wurmloch drifteten sie stark nach links ab. Zu spät. Der Tank war leer und vor ihnen schien nur gähnende Leere zu sein. „Vielleicht haben wir hier ja noch Treibstoff stehen.“ „Ich schau nach.“ Meinte Sora und stand auf. „Aber wenn wir zu dritt suchen geht’s schneller, außerdem bewegen wir uns eh nicht von der Stelle. Unser Radar zeigte vorhin auch keine Meteoriten an.“ Sora lächelte matt und nickte. Was, wenn sie sich keinen Schritt mehr wegbewegen konnten? Im All existierte ja kein Wind. Vielleicht würde ja jemand vorbeikommen und sie abholen. „Okay. Donald, du versuchst links dein Glück, ich gehe in die Mitte und Goofy sucht rechts nach.“ Kurz nickten sie ihm zu, dann verschwanden sie. Kurz seufzte er, dann durchsuchte Sora die Mitte.
Nichts. Er rannte nun schon eine geschlagene halbe Stunde herum und fand keinen Treibstoff. Er hatte den Gang bestimmt fünf Mal abgelaufen. Mit gesenktem Kopf ging er ans Ende des Ganges und sah zum Fenster heraus. Seine Augen waren geweitet. Nun kamen auch die anderen angerannt weil sie auch nichts gefunden hatten. Der Erpel sah Sora verwirrt an, als dieser die Hände auf seine Schultern legte. „Donald, war da vorhin schon eine Welt?“ Donald hielt inne, sah aus dem Fenster und sah dann Sora an. „Nein. Aber eins wissen wir, es ist nicht Agrabah.“ Goofy, der inzwischen auch einen Blick riskiert hatte meinte: „Die zieht uns an, haben wir noch genug im Tank zum Landen?“ „Hoffen wir’s.“, murmelte Sora und ging langsam Donald hinterher, der wie ein Verrückter zum Steuer rannte. „Wenn wir Glück haben sind da noch keine Herzlosen!“, rief der Erpel herüber. „Echt?“ In Sora’s Stimme erklang ein Hoffnungsschimmer. Es gab eine Welt ohne Schattenlurche und Ähnlichem? „Perfekt, wir können landen!“ Goofy der hinten schon angekommen war, freute sich wie ein Honigkuchenpferd. „Genial!“ Der Braunhaarige rannte voller Enthusiasmus zum Cockpit. „Wann sind wir unten?“ Der Enterich lachte auf. „Nun sei geduldig, in ein paar Sekunden!“ Welch erfreuliche Nachricht! Sora freute sich beinahe wie ein Kind, das grade einen Lutscher bekommen hatte. Ein kurzes Rappeln, dann schnatterte Donald drauf los: „Wir sind gelandet.“ Sora war natürlich als erstes draußen. Die Umgebung sah komisch aus. Rasen, manchmal standen auch Bäume herum. Dann war dort eine Einleitung in ein Dörfchen oder ähnlich. Sora sah in eine andere Richtung. Wald. „Wohin?“, fragte er seine zwei Begleiter. „Dorf, danach schauen wir im Wald nach.“ „Warum?“, hakte Sora nach, als Donald ihm antwortete. „Weil D vor W im Alphabet kommt!“ „Achso.“ Sora nickte und ging dann Richtung Dorf. Plötzlich hielt Sora an und hob den Blick. Über ihm flog doch tatsächlich ein Schwein vorbei. Kopfschüttelnd überschritt er die Grenzen ins Dorf und blickte sich um. Die Gegend war menschenleer. Wo war dabei die Logik? Und wer hatte das Dorf errichtet? Und warum? Mehr als eigenartig war auch, dass auf einigen Tischen Eis stand. Es war ein Eiscafé, nun gut, aber wer sollte das Eis dann zubereitet haben? Es stand genau auf drei Tischen Eis. Recht einladend eigentlich, doch war das nur Zufall oder wusste jemand wie viele Leute in der Siedlung waren? Vielleicht war das Eis nur eine Falle? Donald und Goofy jedenfalls dachten darüber nicht nach und saßen schon fröhlich Eis essend da. Und Sora, der nicht alleine dastehen wollte setzte sich zu ihnen. „Schmeckt das Eis?“ Die Beiden nickten den Braunhaarigen freudig an. „Naja…“ Kurz stutzte er, dann probierte auch er das Eis. „Stimmt, echt lecker.“ Nun nickte Sora zustimmend. „Glaubt ihr, jemand wusste, dass wir kommen? Das Eis steht hier doch nicht nur zum Anschauen.“ „Vielleicht.“ Donald zuckte mit den Schultern. „Aber solange es keinen stört, dass wir essen, ist das doch egal.“ Seufzend klatschte Sora sich die hand vor die Stirn. „Was, wenn das nur ’ne Falle is?!“

2. Kapitel

„Stimmt, hier ist es sehr ruhig.“, merkte Goofy an und aß den letzten Bissen von seinem Eis. „Wer weiß, ob die Türen wohl nur aufgemalt sind?“, fragte er dann nach. Sora stand auf, schmiss sich gegen die nächste Türe und meinte darauf nur: „Nein, das ist echtes Holz.“ „Hm…“ Sora öffnete die Tür, dahinter war ein Flur mit Treppe. Die Treppe war in einem hässlichen, matten Grünton angestrichen, genau wie das Geländer. „Glaubt ihr, hier wohnt wer?“, fragte Sora als er wieder zurück zu Goofy und Donald sah, die nur mit den Schultern zuckten und weiter sitzen blieben. „Ich geh schauen, bleibt hier.“ Unten die Wohnung war verschlossen, die darüber sah nicht besonders einladend aus und die im zweiten Stockwerk stank. Also lieber in die zweite Wohnung. Sora rannte wieder einen Treppenabschnitt hinab und klopfte an die zweite Tür. Nichts. Er sah auf eine Uhr im Treppenhaus. 13 Uhr und 46 Minuten. Er sah zwar Silhouetten vorbeirauschen durch das Glas der Tür, aber die Personen schienen ihn nicht zu bemerken. In Eile verließen zwei Personen die Wohnung, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein altes Ehepaar das einkaufen wollte. Die Personen hatten grade mal einige Minuten das Haus verlassen, da hörte Sora ein Schlüsselklirren. Ein Mädchen kam hoch gelaufen und war gerade dabei, in die Wohnung zu verschwinden, als sie den Braunhaarigen ansah. „Nanu, wer bist du denn?“ Der Pony ihrer dunkelbraunen Haare mit rein gefärbten blonden Strähnen fiel in ihre dunklen Augen, eine Farbe konnte man nicht genau erkennen. Sie war kleinwüchsig und sah leicht geschwitzt aus. Für ihre Größe war sie nicht wirklich dick. Doch Sora, der gerne das Positive an Personen sah lächelte sie an.
„Sora!“ „Den Namen kenn ich doch irgendwo her…“ Das Mädchen zog eine Schnute. „Naja, ich bin Jenny.“ Sie krallte sich seine Hand und schüttelte sie. „Warum stehst du hier wie bestellt und nicht abgeholt?“ Sora hob eine Augenbraue an. Bestellt und nicht abgeholt? Sollte wohl eine Redewendung sein. „Hier ist es so leer in der Stadt…“, murmelte er. „Möchtest du, dass es voll wird?“, fragte das Mädchen und sah ihn an. „Nein, nein, lass nur.“ „Wohnst du hier in der Nähe?“ „Nein, ich bin hier hin geflogen.“ Das Mädchen hielt kurz inne, sah ihn dann aber schief an. „Achso, noch so einer.“ „Hä?“ Sora sah sie fragend an. „Ach, nicht so wichtig, möchtest du auf einen Kakao reinkommen? Ich hab deine komisch aussehenden Freunde unten gesehen, du kannst sie gleich mit rein nehmen.“ Der Braunhaarige blockte ab. „Nein, wir haben kaum Zeit.“ „Hier habt ihr so viel Zeit wie ihr wollt.“ Sie deutete auf die Uhr, die immer noch dieselbe Zeit anzeigte. „Siehst du?“ „Aber… wie hast du das gemacht?“ „Das hier ist meine Fantasie, ich kann machen was ich will.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Kannst du auch zwei Freunde von mir herholen?“ „Nein, ich kenne sie nicht, ich muss etwas kennen  um es herzuholen.“ Sie klopfte ihm tröstend auf die Schulter. „Und jetzt hol schon deine Freunde, wir setzen uns in die Küche und unterhalten uns was.“ Er seufzte. „Donald, Goofy!“ Einige Sekunden später kamen sie hoch und sahen Sora und das Mädchen an. „Ich bin Goofy, und wer bist du?“ Das hundeähnliche Wesen schüttelte Jennifer die Hand, die seine Frage natürlich gerne beantwortete. „Soso, Jenny, hm?“ Donald rümpfte den Schnabel und stemmte die Hände in die Federn. „Stimmt irgendwas nicht?“ „Komisch, dass nur du hier bist.“ Sora legte freundschaftlich grinsend einen Arm um die Schultern des Mädchens. „Ach Donald, Jenny ist ganz normal!“ „Außerdem sind doch grade meine Eltern hier raus gerannt!“ „Haben wir nicht gesehen.“ Donald zog eine Augenbraue hoch. „Kann schon sein, hab nicht mehr an sie gedacht.“ „Du kannst durch Denken Leute verschwinden lassen?“ Goofy sah Die Braunhaarige an. „Nein, wir sind hier in ihrer Fantasiewelt.“ Sora lächelte Goofy an. „Achso.“, brummelte Donald, der Jenn aber trotzdem nicht wirklich vertraute. „Also, jetzt kommt schon mit.“ Das Mädchen strahlte und zerrte Sora, Goofy und Donald in die Wohnung.
„Und ich war also nicht der Erste?“, fragte der Braunhaarige während er einen Kakao schlürfte. Wer sollte denn vor ihm da gewesen sein? Etwa Riku? Oder Kairi? „Nein. Vor dir war noch ein Kerl hier. Schien ziemlich verwirrt der Ärmste. Suchte nach einem ‚Riku’.“ „Nach einem Riku?“ „Ja, kennst du ihn? Also einen von den Beiden?“ „Riku!“ „Wer ist das denn?“ Goofy schaltete sich nun ein. „Das ist Sora’s Kumpel! Ahja, darf ich noch ein Glas Wasser haben?“ „Klar.“ Das Mädchen ließ das Glas durch ihre Fantasie mit Wasser füllen. „Also das mit Riku, das is ne lange Geschichte.“ Sora nippte noch einmal an der Tasse während Donald damit beschäftigt war, Süßigkeiten in sich zu stopfen. „Macht nichts, ich hab Zeit.“ Sie lehnte sich nach vorne und sah den Braunhaarigen erwartungsvoll an. „Naja, anfangs war ich mit meinen Freunden Riku und Kairi auf einer Insel, wir wollten die anderen Welten erkunden und… Hey, was ist?“ Er sah das Mädchen an, bei dem Namen Kairi sah sie etwas erstaunt aus, dann jedoch schüttelte sie den Kopf. „Ich glaub nur, ich hab den Namen schon mal gehört. Hab letztens von ner Kairi geträumt.“ „Echt? Wie sah sie aus?“ „Also die war ein bisschen größer als ich, die hatte rote Haare und blaue Augen. Die trug ein Top und einen Rock mit ner Hose drunter. Saß am Strand.“ Sora war erst erstaunt, dann sprang er auf. „Kairi! Das war meine Kairi!“ Kurz zögerte das Mädchen, dann kicherte sie. „Deine Kairi? Du warst nich da, aber n Kerl mit nem komischen Schwert und silbernen Haaren!“ Sora sah sie noch ungläubiger an. „Riku?!“ Goofy und Donald sahen nun auf. „Donald, Goofy, wir brauchen das Mädchen!“ Jennifer wurde rot und lächelte schief. „Wirklich sehr schmeichelhaft…“ „Nicht so! Wir brauchen deine Hilfe!“, fuhr Sora sie an und packte sie an den Schultern. „Bitte hilf mir!“ „Hey!“ Donald quakte dazwischen und packte Sora bei der Schulter. „Wer hat gesagt, dass sie mitkommt?!“ „Ich!“ Zögernd nahm das Mädchen seine Hände von ihren Schultern. „Aber, was passiert dann mit mir in der Realität?“

3. Kapitel

„Bitte!“ „Aber ich kann nicht!“ Die Braunhaarige war verzweifelt. Warum stellte jemand so hohe Anforderungen an sie? „Ich habe da draußen irgendwo meine Freunde verloren und werde die vielleicht nie mehr wieder sehen!“ Sie vergrub das Gesicht in den Händen. Sie hatte doch auch Freunde in der Realität! Goofy sah dem Gespräch zwischen den Beiden zu während Donald immer noch hoffte, sie würden das Mädchen hier lassen. Das Mädchen stützte sich auf dem Tisch ab, warum drehte sich um sie alles? Ein lautes Grollen kam von draußen hervor. „Jenny! Ich brauche dich!“ Der Junge drehte beinahe schon durch, war annährend so verzweifelt wie das Mädchen das nun zitternd die Augen zusammenkniff. Jetzt auch noch in ihrer Fantasie. Wurde sie etwa überall terrorisiert? Sora sank auf den Stuhl. „Bitte verlier jetzt nicht die Nerven…“ Der Boden bebte und alles drohte auseinander zu fallen. Sie stand auf und schlurfte in ihr Zimmer. Plötzlich schien alles ruhig zu werden. Die Türe knallte sie hinter sich zu, lehnte sich an sie an und sank weinend herab. Sora wurde von einem eigenartigen Gefühl überrannt. Das Mädchen war ja recht sensibel. Zu sensibel? Er stand auf, als er das Mädchen die Zimmertür herunterrutschen hörte. Er raste zur Tür und klopfte dagegen. „Jenn! Jennifer! Geht es dir gut?!“, schrie er aufgekratzt, wurde dann aber ruhiger als er ein Schniefen hinter der Tür vernahm. Kurz seufzte er erleichtert, dann hockte er sich vor die Tür. „Nehm dir Zeit. Aber bitte, raste nicht so aus wie vorhin.“ Er presste das Ohr an die Tür und vernahm ein leises: „Würdest du da noch ruhig sein?“ Kurz dachte er nach. Er war echt schlimm gewesen, er hatte sie schon bald dazu gezwungen. „Hey, das tut mir Leid, aber ich brauche deine Hilfe. Bitte, bitte komm mit uns mit.“ „Der Erpel hat was dagegen und ich auch. Ich will meine Freunde nicht verlieren.“ Sie krabbelte zum Schrank und packte einige Kleider ein. „Was ist wenn deine Realität auch von Herzlosen überfallen wird?“ Das Mädchen hielt inne, rappelte sich auf, schulterte den Rucksack und öffnete die Tür, worauf ihr Sora, der sich mit dem Rücken gegen die Tür gelehnt hatte und in der Hocke war, entgegen gepurzelt kam. „Ich komme mit.“ Was sollte sie mehr tun? Sie hatte nur die eine Wahl, entweder in der Realität warten auf die Herzlosen oder sie versuchen zu stoppen. Die Tränen hatte sie schnell weggewischt, das gab ihr Mut. Sie hielt Sora die Hand entgegen welcher sich sofort aufrappelte, sie kurz umarmte und ein „Danke.“, murmelte. „Ich pack noch Proviant ein, dann können wir abhauen.“ „Wer weiß ob deine Fantasie auch außerhalb funktioniert.“ Sie zuckte nur mit den Schultern und zugleich flogen auch einige Suppen aus der Dose und diverse andere Fertiggerichte hinein. Die Braunhaarige dackelte dann in die Küche. „Wir können los…“ Goofy stand sofort auf und ging aus dem Haus, Donald schnatterte vor sich hin und zuletzt gingen die beiden Braunhaarigen nebeneinander heraus. Für einen kurzen Moment herrschte eine unangenehme Stille, die Sora dann brach. „Kannst du eigentlich kämpfen?“ „Seh ich so aus?“ Das Mädchen seufzte. „Ich wird die beschützen.“ Ermunternd legte Sora einen Arm um sie und schlug ihr freundschaftlich auf die Schulter. „Vielleicht können wir dir aber auch irgendwas beibringen was das Kämpfen angeht. Mit nem Stab wirst du doch sicherlich kämpfen können.“ Das Mädchen sah ihn schief an. „Ja, sicher.“ Der Sarkasmus tropfte aus ihrer Stimme. „Was so was angeht war ich nie gut. Ich treff’ ja nich mal beim Fußball den Ball.“ Der Braunhaarige grinste schief. „Ja, das is wirklich n Problem.“ „Ich kann nicht kochen, ich kann nicht kämpfen und ich bin sensibel.“ Sie zog eine Schnute. „Bin ich überhaupt zu irgendwas zu gebrauchen?!“ „Da wird sich bestimmt was finden lassen. Wettrennen?“ „Bin unsportlich.“ „Oh. Naja, kann man nix machen.“ Er grinste und rannte dann hinter Donald und Goofy her. Der Erpel wank sie zu sich, da sie zu langsam waren. „Warte doch mal!“, schrie das Mädchen und rannte ihm hinterher. Sie war nicht schnell und hatte keine Ausdauer, weshalb sie, als sie endlich bei Sora angekommen war an ihm hing und hechelte. „Sora~ ich kann net so schnell.“ „Tut mir Leid. Soll ich dich tragen?“ Sie sah ihn an als wäre er nicht mehr bei Sinnen. Dann schüttelte sie den Kopf. „Bin zu fett.“ „Ach was.“ Er grinste und versuchte das Mädchen hochzuheben und Huckepack zu tragen wobei er sich schon nach wenigen Schritten bemerkbar machte. „Stimmt, du bist zu schwer. Oder ich bin zu schwach.“ „Erstes.“ Lächelnd stieg sie ab und zog ihn dann mit. „Sag mal, was hast du eigentlich so an Klamotten?“ „Nich so viel.“ Sie grinste und zog einige Kleider hervor. „Wo- ach so… hat das auch die richtige Größe?“ „Ich seh deine Kleider, also müssten die hier auch passen.“ Er räusperte sich. „Danke.“ „Hoffe es gefällt dir. Immerhin müssen wir jetzt länger mit einander auskommen.“ Sie lächelte schief und stieg zögernd ins Gumi ein. „Was’n das?“ „Ein Gumi-Mobil.“, meinte Goofy und führte sie zusammen mit Sora im Gumi herum. „Das hier ist das Cockpit.“ Fasziniert aussehend ging das Mädchen im Cockpit umher und sah sich alles genau an. „So was hab ich noch nie gesehen…“, murmelte sie und blickte dann zu Goofy und Sora. „Cool! Darf ich mal steuern?“ Donald, der grade von hinten angerannt kam quakte: „Nein!“ Als er dann stehen blieb sprang er aufgeregt von einem auf den anderen Fuß. „Sie hat doch keine Ahnung vom Fliegen, außerdem haben wir keinen Sprit!“ „Für Treibstoff is gesorgt.“, meinte das Mädchen und sah Donald an, neben dem einige Kanister auftauchten. „Ich hab Hunger, kannst du mir bitte die Tasche geben?“, fragte Sora Goofy. „Was für eine Tasche?“ Donald und Jenny wandten sich nun zu Goofy. „Du hast den Rucksack vergessen?“ „Ach, den sollte ich mitnehmen?“ Doch es war schon zu spät. Die Kanister entleerten sich von selber im Tank und Jenn hatte sich aus reiner Dummheit gegen den Starthebel gelehnt. „Verdammter Mist.“, murmelte das Mädchen, sah aus dem Fenster und schlug die Hand gegen ihre Stirn.

4. Kapitel

„Ich schau mal nach, was wir so an Kleidern haben.“, murmelte sie und ging den Gang runter. Wunderbar, einfach toll. Keine Klamotten und zusammen auf dem Schiff mit einem Kerl mit komischer Frisur, einem Erpel und einem hundeähnlichen Wesen. Besser hätte sich das Mädchen die Situation gar nicht wünschen können. „Wäre ich doch bloß nicht mitgekommen.“ Sie seufzte, als sie die Augen kurz schloss und kurzerhand auf einer Pfütze ausgekipptem Sprit ausrutschte. Mit einem Geräusch, das sich anhörte wie ein „Klong!“ wurde alles schwarz.

„Jenny! Jennifer!“ Eine Stimme bohrte sich in meinen Schädel, schien mich aus meiner Fantasie zu reißen. Benommen öffnete ich die Augen. „Schläfst du etwa in meinem Unterricht?“ Frau Otto plusterte sich vor mir auf und sah auf mich hinab. Erschrocken sprang ich auf und verbeugte mich. „Tut mir Leid, wird nie wieder passieren!“ „Hattest du gestern einen harten Tag?“ Ich? Harter Tag? So was kannte ich nicht, schon allein, weil ich andauernd von meinen Eltern von vorne bis hinten bedient wurde. Trotzdem griff ich zu einer Notlüge und nickte. „Ja.“ Jan, der neben mir saß kicherte was ihm nur einen beleidigten Blick von mir einbrachte. „Geht es dir nicht gut? Musst du ins Krankenzimmer? Du siehst so blass aus.“, meinte Frau Otto besorgt, als ich sie wieder ansah. „Ach was, geht schon, danke, dass Sie sich um mich sorgen.“ „Ich bin Biologielehrerin, das ist meine Aufgabe. Geh dich nun hinlegen!“ Sie schob mich aus dem Klassenraum, während sich meine Kameraden mich immer noch auslachten. Grummelnd ging ich dann Richtung Krankenzimmer beziehungsweise Archiv. Dabei hätte ich es wirklich nicht besser treffen können, ich hatte meine Mathehausaufgaben mal wieder nicht gemacht, und um keine Sechs auf dem Zeugnis zu bekommen würde ich mich lieber drücken, denn die Fünf stand schon fest. Die Gänge schienen beinahe endlos, kurz warf ich einen Blick auf das schwarze Brett. Die Ergebnisse für die AG-Wahlen standen schon fest, ich war in der Foto-AG. Es war Frau Ottos letzter Tag an unserer Schule, übermorgen hatten wir Ferien, und dann würde sie abtreten, endlich. Ich ging an der Treppe vorbei, die aus der Schule führte, dann sah ich die große, lilane Tür, die zum Archiv und anderen Räumen führte. Ich drückte die Klinke hinab und schob die schwere Tür auf, worauf ich links abbog und mich auf die Liege schmiss. Wie lange hätte ich hier bleiben sollen? Am besten die ganze Stunde. Ich war schon tagelang immer so komisch müde. An meinen Traum konnte ich mich kaum noch erinnern. Nur noch an die drei Gesichter der komischen Gestalten.
„Was für ein bescheuerter Traum…“, murmelte ich noch bevor ich in eine wohlige Wärme sank und langsam wieder einnickte. Ich tauchte ein in eine Welt, die ich selber nicht kannte. Eine große Blumenwiese, und ich war ganz alleine. Ein kühler Herbstwind ließ sogar den Sonnenschein kalt wirken. Ich fühlte den Traum, als wäre ich in ihm, es war kühl, aber doch so schön. Ich ließ mich in die Blumen fallen und hoffte, dies Gefühl würde niemals vergehen. Es wurde dunkler, die Bluten schienen von den Blumenstielen zu fliegen, ich fing an zu fallen. Als wäre es ein endloses Fallen. Alles wurde schwarz, ich fühlte ein streichelndes Gefühl um meine Arme und Beine, so, als wäre ich im Wasser. Langsam öffnete ich die Augen, die ich am Anfang des Falls geschlossen hatte, es war nicht leicht sie offen zu halten, alles war dunkel, so dunkel, als wären meine Augen ohnehin schon geschlossen. Leise Stimmen von weit weg schienen auf mich einzureden, ich zitterte, als ich Schritte vernahm, die eilend klangen und doch so langsam, es war ein eigenartiges Gefühl, zu eigenartig, um es zu beschreiben. Ich landete auf meinen Füßen. Langsam eilend rannte ich gehend durch das Schwarz, das um mich herum war und doch auch tief in mir drin schien. Laut sprachen die leisen Stimmen durch die volle Leere, und irgendwie kam ich mir seltsam verlassen vor. Ein dunkles, weißes Licht tat sich vor mir auf, beschien eine runde Fläche, auf die ich zuging, doch sie wirkte immer weiter weg mit jedem Schritt, den ich tat. Verzweifelt sank ich auf die Knie, betete zu einem Gott, den es für mich schon lange nicht mehr gab und an den ich nie geglaubt hatte. In weiter Ferne war das Licht zu sehen, und ich war im Schatten, es war so warm hier, und je näher ich versuchte dem Licht zu kommen, desto kälter wurde es. Es war nur ein kurzer Augenblick in dem mir alles Leid tat, was ich je tat, ich dachte, es würde mit mir zu ende gehen, ein heller Schatten kam auf mich zu, schien mich erreichen zu wollen, nahm mich bei der Hand und half mir, mich aufzuraffen und mit mir dem Licht entgegen zu gehen. Kein Wort kam über meine Lippen, und genau so wenig ein Wort von der Silhouette, sie hielt mich fest, als würde ich drohen abzustürzen, nahm mich mit zum Licht. Ob sie ein Engel war? War es überhaupt ein Mädchen? Ich schloss die Augen und vertraute meinem Gefühl, das mich leitete. Ich stoppte und öffnete die Augen. Schweigend sah ich zu dem Licht, das so hell auf mich herab schien, dass ich meinen Kopf senken musste und in das ewige Schwarz sehen, das dunkler wurde, als würde es mich verschlingen wollen. Ich sah diesen Schatten der sich umdrehte. „Wer bist du?“, wisperte ich und sah den Schatten an, der schweigend weg ging, als wäre es seine Aufgabe gewesen, mich zum Licht zu geleiten. Ich verlor den Pfad vor mir, den ich grade noch zu sehen schien, was sollte ich nun tun? Unter dem Licht stehen bleiben, dass mich zu schützen schien, doch aber so kalt war, dass fast mein Atem gefror oder sollte ich versuchen den Weg aus der Dunkelheit zu finden? Die Zeit schien vor mir weg zu laufen, und mit ihr mein Leben und alle Wärme in meinem Körper. Stechende Schmerzen durchfuhren meinen Körper, den ich kaum noch spürte. Bald schien das Leben vollends aus meinem Körper gesogen zu sein.

5. Kapitel  

Ein lauter Schrei. Ich zuckte zusammen und wachte auf. Es war dunkel und das Licht flackerte. Es war kalt, aber mein Herz raste vor Aufregung. „Beweg dich nicht, sie spüren deine Angst.“, schoss es mir durch den Kopf. Völliger Schwachsinn, hoffte ich zumindest. Es war dieser Satz, den ich verstanden hatte, als der helle Schatten weggerannt war. Ich saß und meine Arme waren um meine Beine geschlungen. Mein Blick fiel auf die Uhr. Es war so merkwürdig leer für diese Uhrzeit und so dunkel. Es war grade mal Mittag und normalerweise müsste meine Mathematikstunde gerade angefangen haben. Mir war schwindelig und ich hatte grauenhafte Kopfschmerzen. Benommen stand ich auf und betrat den Korridor, der menschenleer war. Kein Geräusch war zu hören. Ich zitterte leicht und ein kalter Schauer lief meinen Rücken hinab. Es war dasselbe Gefühl wie in dem Traum, aus dem ich vorhin erwachte. War ich denn überhaupt richtig wach? Das war das mindeste Problem, das ich grade hatte, denn ich war hier allein, es war dunkel und wenn ich in einem schlechten Film gewesen wäre, wäre jetzt wahrscheinlich etwas Böses passiert. Ich konnte nicht aufhören, meine Gedanken überschlugen sich und ließen mir keine Ruhe. Unsicher schritt ich voran, langsam, als würde ich über eine kaputte Brücke gehen. Schließlich konnte ich gar nicht mehr denken, ich sah mich um, wollte mich schützen, stieß öfters mit dem Rücken gegen Wände. Ich konnte nicht mehr, war nervlich am Boden und ließ mich an der Wand herabsinken und machte mich so klein, wie ich konnte, fing an zu weinen. Ich wollte singen, so wie ich es immer tat, wenn ich traurig war, brachte jedoch keinen einzigen, ordentlichen Ton heraus, war wie stumm. Eine Aura der Verzweiflung schien sich um mich errichtet zu haben. Meine Kehle schien zugeschnürt, mit den schärfsten Drahtseilen, die es gab. Ich versuchte, aufzuhören mit dem Weinen, die innere Stimme, die mir immer half, sagte immer, wenn ich weine, dann würde ich schwach sein und sie würden es merken. Früher, da schien es klar zu sein, wer SIE sind, doch nun, nun war ich hilflos, wusste nicht wer sie sind, denn erst jetzt wurde mir klar, dass diese Stimme nicht meine Klassenkameraden meinte. „Sie werden dich finden.“, sagte diese Stimme nun. „Versteck dich!“ Ich wusch die Tränen weg, die meine Wangen herabrollten. „Wohin?“, wisperte ich und rappelte mich auf. „Versteck dich!“, ermahnte mich die Stimme nun etwas lauter. Es war mir klar, dass nichts mehr wie gestern war. Ein Licht tat sich auf, auf das ich zu rannte. „Stopp, nicht dahin!“, schrie die Stimme voller Panik was mich sofort aufhielt. „Warum nicht, es ist das Licht…“, murmelte ich, von dem Glanz hypnotisiert. „Aber nicht das Licht, dass du suchst.“ Ich drehte mich um. „Welches Licht suche ich denn dann?“ „Das Licht, dass keinen Schatten wirft.“ „Es gibt kein Licht, dass keinen Schatten wirft.“, murmelte ich und wandte mich wieder dem Licht zu, dass nun langsam verschwand. Aus ihm kamen Schatten. „Das wäre aus dir geworden.“, sagte die Stimme. Auf mich kamen eigenartig Geschöpfe zu gekrochen, die mich angreifen wollten. Ihre gelben Augen sahen mich gierig an. „Die sind doch süß.“, murmelte ich und hielt den Tieren die Hand hin. „Das sind keine Tiere, das sind Schatten.“  Ich zog die Hand zurück und wich etwas nach hinten. „Warum hast du das nicht gleich gesagt?“ Die Stimme antwortete mir nicht mehr. Plötzlich sprang mich einer dieser Schatten an. „Das sind also ‚sie’…“, murmelte ich erschrocken als ich auf dem Boden lag. „und sie wollen mein Herz…“ Ich fühlte grade einen Sog, als ich einen lauten Schrei hörte. „Stopp!“ Das Viech wurde mit einem Schwert beiseite geschlagen. Völlig verstört und zitternd versuchte ich mich aufzurappeln. „Hau ab!“ Es war ein Junge mit braunem Haar, der mich anfuhr und den Gegnern zugewandt blieb. „Hau ab, sagte ich, Kleine!“ Nun sah er zu mir über die Schulter. Dieses Gesicht und der Ausdruck. Die Stimme. „Bitte hilf mir!“, schoss es mir durch den Kopf und ich schien, mich an ein Gesicht erinnern zu können. Es war sein Gesicht. Wie hieß er? „Donald, Goofy, schafft das Mädchen hier weg!“ Eine Ente und ein hundeähnliches Wesen kamen auf mich zugerannt. In ein paar Sekunden schossen mir so viele Bilder durch den Kopf. „Sora!“, entfuhr es mir. Er schlug grade den letzten Schatten beiseite, dann sah er mich an. „Woher kennst du meinen Namen?!“ Er sah mich erstaunt an und atmete schwer ein und aus. „Ich, ich…“ Stammelnd stand ich auf. „Ich habe von dir geträumt! Und von Donald und Goofy auch!“ „Hä?“, quakte der Erpel. Oder träume ich jetzt etwa immer noch? Verwirrt packte ich mir an den Kopf. Wieder überschlugen sich meine Gedanken. „und in meinem Traum da haben wir von einer Kairi und einem Riku geredet und wir waren in meiner Fantasiewelt und-“ Ich zitterte wie Espenlaub und kaum einer verstand, was ich sagte. Es waren so viele Bilder und Erinnerungen, ob er sie mit mir teilte? „und ihr wolltet mich mitnehmen, weil ich über Kairi etwas wusste, und dann sind wir in das Gumi eingestiegen!“, plapperte ich aufgeregt. Ungläubig sah mich der Braunhaarige an, dann hielt er mir die Hand hin. „Ich bin Sora, das weißt du ja schon. Und wie heißt du?“ Ich nahm seine Hand und schüttelte sie. „Jennifer.“ „Donald, wir gehen vorerst.“ „Was ist mit dem Schlüsselloch?“, fragte Goofy und legte den Kopf schief. „Jetzt nicht, wir müssen erst das Mädchen in Sicherheit bringen, wir können sie ja nicht hier einfach so liegen lassen. Außerdem weiß sie etwas über Riku und Kairi!“ „Ich sehe aber richtig, dass ich keine Wahl habe ob ich hier bleiben-“ Sora hob die Augenbraue an. „Warum solltest du hier bleiben wollen? Schau dich doch mal um!“ Stimmt, was hätte ich hier noch tun sollen? Ich hatte keine Ahnung vom Kämpfen und verstecken würde mir, auch wenn es die Stimme sagte, nichts nützen auf lange Dauer, meine Freunde waren höchstwahrscheinlich eh verloren. Vielleicht waren meine Freunde jetzt so ein Herzloser. Schon bei dem Gedanken daran wurde mir schlecht.

6. Kapitel  

Andererseits, was würde mir sonst übrig bleiben? Sollte ich etwa nur dastehen und zusehen? Nicht auszudenken, was passieren würde. Okay, eigentlich war ich keine große Hilfe, aber immerhin eine mehr als eine nutzlose Begleiterin weniger. „Naja, du hast Recht.“ Ich seufzte. Aber wenn schon Begleiterin, dann wollte ich nicht nutzlos sein, vielleicht konnte ich helfen? „Kann ich nicht helfen?“ „Nein, ich will nicht, dass du dich verletzt.“ Sora schüttelte den Kopf, worauf ich eine Schnute zog. „Okay, ich kann vielleicht nicht kämpfen, aber ihr könnt es mir doch beibringen.“ „Könnten wir.“ Sora schien zu überlegen, dann quakte Donald dazwischen: „Tun wir aber nicht! Sag, kannst du kochen?“ Ich sah Donald an. Hatte der sie nicht alle? Okay, schon gut, konnte er ja nicht riechen, dass ich fast mal die Küche abgebrannt hätte. „Nö, kein bisschen.“ Mit den Schultern zuckend seufzte ich, dann sah ich mich um. „Am besten wir gehen.“, schlug Sora vor. „Du musst dich ausruhen.“ „Ich bin ausgeruht!“ Ich sah ihn, immer noch leicht zitternd, an. „Ich lag bis vor einer halben Stunde noch schlafend rum.“ „Lüg nicht.“, meinte Goofy und knuffte mich in die Seite. „Stimmt, du bist leichenblass und du zitterst, dir kann es einfach nicht gut gehen.“, sagte Sora und fasste dann an meine Stirn, konnte aber nichts fühlen, da seine Handschuhe kaum Wärme durchließen. Was für eine Logik. Ich versuchte vom Thema abzulenken und murmelte: „Also, wir sieht’s mit dem Training aus?“ „Wir stimmen ab. Wer ist dafür?“, fragte Sora, worauf Goofy, ich und er selber die Hand hoben, Donald schnatterte nur wütend und drehte sich schmollend um. „Okay, entschieden. Wer wird sich als Trainingsobjekt zur Verfügung stellen?“ Donald, der dachte, es wäre jetzt soweit, dass gefragt wurde wer dagegen war hob als Einziger die Hand. „Danke Donald!“, gluckste Goofy und Sora lächelte. „Sehr großzügig von dir. Aber jetzt sollten wir machen, dass wir wegkommen.“ Donald, leicht verdattert, watschelte vor, darauf folgend Goofy. Sora und ich gingen als letztes hinterher. „Ich hab Hunger.“, murmelte ich und verschränkte die Arme worauf Sora nur kopfschüttelnd grinste. „Wenn wir in Traverse sind bekommst du was.“ „Wie, Tra… was?“ „Traverse, ne andere Welt.“ „Cool!“ Solange ich was zu essen bekam war sowieso alles cool, konnte ja auch nichts dafür, dass ich immer Hunger hatte. „Ich will ja keinen schlechten Eindruck hinterlassen, seh ich gut aus?“ Ich drehte mich, um meine Kleidung auf allen Winkeln zu zeigen. „Für so was haben wir jetzt keine Zeit.“ Er grinste schief und ging im Eilschritt weiter zum Gumi. „Och, manno.“, murmelte ich und ging ihm hinterher. Irgendetwas schien Sora keine Ruhe zu lassen, komisch. Mit einem Ruck drehte er sich zu mir um und sah mir in die Augen. „Vor was hast du eigentlich Angst?“ Ich zuckte zusammen. „Musst du mich so erschrecken?!“ „Tut mir Leid, aber sag mal!“ Kurz ging ich tief in mich, dann sah ich ihn an. „Vor der Dunkelheit und vor Spiegeln.“ „Und warum bist du nicht weggerannt wenn du so ne Angst vor der Dunkelheit hast?“ Irgendwie fühlte ich mich merkwürdig ertappt, warum nur? „Keine Ahnung, frag die Stimme!“ Fragend hob er die Augenbraue an. „Wer ist die Stimme?“ „Ach, weißt du…“ Ich sah mich um, ob mich auch niemand bespitzelte. „Das ist so ne Stimme in meinem Hinterkopf, die mir immer sagt was zu tun ist, und ich hab letztens von ihr geträumt.“ „Was für ein Traum?“ „Also ich war auf ner Wiese und dann bin ich so in so ne schwarze Leere gefallen und da ganz weit entfernt war in Licht auf das ich zugehen wollte, aber da passierte nichts und dann hat mich so n weißer Schatten dahin begleitet. War ganz komisch.“ Sora gab nur ein „Hm.“ Von sich und zog mich dann mit, Richtung Gumi. Es war schon eine seltsame Stimmung. Ich griff in meine Hosentasche und zog den MP3-Player hervor, den ich trotz der Schulvorschrift in die Schule mitnahm. Schnell schloss ich den Kopfhörer an und drückte die Stöpsel in die Ohren. Sora sah mich rätselnd an. Was denn? Hatte er so was noch nie gesehen? Ich sah auf das Display, das einen Sprung hatte. Ob ihm Utada Hikarus Musik gefallen würde? Ich zog einen Stöpsel aus dem Ohr und hielt ihn Sora hin. „Musik zum mitnehmen.“ Ich grinste ihn an und drückte ohne überhaupt nachzufragen den Stöpsel in sein Ohr und drückte am Gerät auf Play. Kurz zuckte er zusammen, weil das Gerät so laut gestellt war, dann gewöhnte er sich an die Lautstärke und hörte zu. Donald und Goofy, die weiter vor uns waren, stiegen grade ins Gumi ein und winkten uns her. Wir hingegen ließen uns Zeit und schlenderten hin. Nach meinem Computer war der MP3-Player der wichtigste materielle Besitz den ich hatte. Und jetzt auch noch nur der einzige neben meiner Kleidung. Irgendwie ein komischer Gedanke, von einer auf die andere Sekunde arm zu sein, wie eine Kirchenmaus. Donald und Goofy verdrehten entnervt die Augen, wir wollten hinrennen, was aber in dem Punkt scheiterte, dass ich mich voll auf die Fresse legte, so was konnte ja auch nur ich. Sora, der mich am Arm mitgezogen hatte sah erst doof aus der Wäsche, dann wurde er von mir niedergemäht. Nun musste auch der Mp3-Player dran glauben, der ein Kracken von sich gab und so ‚verschied’. Kurz schlug ich meinen Kopf auf den Boden und seufzte niedergeschlagen, dann richtete ich mich auf und half Sora auf. „Verdammt.“, murmelte ich und massierte meine Schläfen. Sora sah zu den Trümmern, dann blickte er mich schuldvoll an und murmelte ein: „’Schuldigung.“ Für einen kurzen Moment wollte ich ihn fertig machen, dann entschloss ich mich dazu, mich einfach wegzudrehen und zu seufzen. „Schon okay.“ Außer meiner Kleidung hatte ich nun nichts mehr, musste ja so kommen. „Wir sollten zum Gumi.“, murmelte ich leicht verärgert und zog Sora dann mit zum Mobil. Was wohl seine Frage von vorhin zu bedeuten hatte? Wovor sollte ich schon Angst haben? War meine Angst etwa so unwahrscheinlich? Okay, nicht jeder hatte Angst vor einem Spiegel. Trotzdem war die Frage komisch.

7. Kapitel  

Nun, wir waren im Gumi. Donald, Goofy und Sora saßen irgendwo im Cockpit und schwiegen, die Luft schien drückend und ich musste nach Atem ringen. Immer noch dachte ich nach. Seine Augen, sie sahen so misstrauisch aus. Vor allem, als er Frage, warum ich nicht weggerannt wäre stellte. Irgendwie wirkte die Dunkelheit so anziehend, beinahe hätte ich nicht widerstanden. Sora saß mir gegenüber, auch er schien leicht abwesend, doch er schien mit regelrecht mit seinem Blick zu durchbohren, als wollte er irgendwas aus mir herausholen. Eine Information, oder irgendwas anderes. Diese dunkelblauen Augen schienen keinesfalls verwirrt. „Hm.“, gab ich von mir und legte mich hin. Sora schien darauf aus seinen Gedanken gerissen zu sein und schüttelte dann doch ziemlich verwirrt den Kopf. Der Braunhaarige war wohl in Trance, und jetzt wieder daraus erwacht. „Wann sind wir da?“ Endlich brach er das Schweigen, und ich konnte wieder durchatmen. „Dauert nicht mehr lange.“, quakte Donald und schien hochkonzentriert. „Immerhin etwas Positives.“ Ich rümpfte die Nase. Es sah vielleicht nicht so aus, aber der Schock war mir nicht gerade leicht von der Leber gegangen. „Na, jetzt stell dich mal nicht so an.“ Goofy lächelte mich an, worauf ich erwiderte. „Meine normale Existenz auf der Erde wurde gerade ausgelöscht. Da lach ich nicht.“ Ein Seufzen von Sora’s Seite ertönte. „Goofy, lass sie, ihr geht’s nicht sonderlich gut.“ „Okay.“ Goofy zog kurz eine Schnute, dann nervte er weiter Donald. Ich strich meinen Pony hinters Ohr, dann sah ich Sora an, der im Schneidersitz da hockte und mich musterte. „Was ist?“ „Ich mache mir Sorgen, tut mir Leid, dass ich dich da mit 'reingezogen hab.“ Er krabbelte zu mir, nachdem er das sagte und hielt mir die Hand hin. „Kumpel?“ „Sowieso.“ Ich schlug ein und grinste schief. „Na dann.“ „Übrigens… warum hast du mir diese komische Frage gestellt?“ Kurz sah er mich verwirrt an, dann sah er zur Seite. „Nur so.“ Er ließ meine Hand los und hockte sich neben mich. „Weißt du, deine Augen sind wie die von Riku, die stechen so richtig raus.“ Ich sah ihn verwirrt an. „In wie fern?“ „Ja, so komisch halt.“ Er hob eine Augenbraue an. „Waren die nicht grade eben noch blau und grün?“ Ich sah ihn an. „Ja, passiert schon mal, die wechseln die Farbe. Die sind manchmal sogar grau, irgendwie gruselig.“ Ich schüttelte mich und kniff die Augen dann zusammen. „Riku und Kairi würden dich bestimmt mögen.“ Kurz hielt ich inne, sah ihn dann aber an. „Würden sie das?“ „Sicher.“ Er grinste mich an und knuffte mich in den Oberarm. Da war sich aber einer sicher in seiner Sache. Ich lächelte nur schief und rieb mir dann den Oberarm. „Wenn du das meinst. Hast du vielleicht einen Zettel?“ „Nein, nicht wirklich.“ „Hm… weil nen Kuli hab ich in der Tasche.“ Sora sah kurz verwirrt drein, blickte dann aber zu Goofy. „Hast du Papier?“ „Nein.“ Ich seufzte. „Okay, dann müssen wir halt warten bis wir in Tra… wie auch immer sind.“ „Traverse.“ „Ja, danke.“ „Traverse!“, quakte Donald abermals. „Du musst mich nicht zweimal verbessern!“ „Nein, ich meine, wir sind da!“ „Oh.“, machte ich. Sora schüttelte grinsend den Kopf, stand auf und hielt mir die Hand zum Aufstehen hin. „Nun ja, Folgerichtigkeit lag mir noch nie wirklich.“ Ich grinste und ließ mir aufhelfen. „Alle das Geld dabei und das restliche Zeug?“, fragte Sora nach, bevor wir das Gumi verließen. „Hab kein Geld.“ „Ach, bekommst du früh genug.“ Sora lächelte mich an und zog mich dann aus dem Gumi. Donald und Goofy hingen uns hinterher. „Okay, wohin zuerst?“ „Du wolltest doch was malen, ich schlage vor, wir setzen uns erst gemütlich wo hin, am besten zu Haus.“ „Dann lernst du auch Aerith, Aerith und Leon kennen!“, gluckste Goofy freudig hinter uns. Sora nickte und grinste. „Ja, und da haben wir auch was zu Essen.“ Meine Augen weiteten sich schlagartig. Hatte ich da gerade richtig gehört? Essen? „Sora, ich liebe dich!“ Ich fiel ihm beinahe im Gehen um den Hals. „Aber nicht doch.“ Er lächelte schief und ein wenig verlegen. Donald verdrehte die Augen und Goofy gluckste. „Ja, was zu Essen~“ Die Menschen hier sahen uns schon schief an. Was denn? Hatten die noch nie ein paar Leute wie uns gesehen?  „Hm, aber vorher möchte ich gerne nochmal kurz in den Laden von Cid.“ „Cid?“ „Ein guter Kumpel von mir, ich muss ihn dir gleich vorstellen, er erklärt dir dann etwas über Traverse. „Öhm, okay?“ Sofort nachdem ich das gesagt hatte kniff ich die Augen kurz zusammen. Das hörte sich einfach nur dämlich an. Wir vier gingen nun Treppen hinauf. Das war gut, Sport schadet nie, vor allem nicht bei mir. „So, da sind wir.“ Sora zog mich in das Gebäude vor uns, einen „Accessoire-Laden“. Kurz blickte ich das Haus von oben bis unten an, dann wurde ich aber schon in den Laden hineingeschleift.  „Hey Sora!“, rief ein Mann hinter der Theke, schwieg dann aber kurz und hob die Augenbraue an. „Hallo, kleine Lady.“ „Ich bin nicht klein!“, erwiderte ich und verschränkte die Arme. Sora tapste zur Theke, ich hinterher. „Hi Cid!“ Donald und Goofy hockten sich vor den Kamin, als hätten sie gar nichts mit uns zu tun. „Wen hast du denn da angeschleppt?“ Ich war abgelenkt von dem Diamant in dem Glaskasten, faszinierend. „Ihr Name ist Jenny, die weiß was über meine Freunde.“ „Lass mich raten, sie kennt deine Freunde aber keinen Winkel von Traverse.“  „Gute Auffassungsgabe, du hast recht.“ „Hey, Kleine!“ Ich zuckte zusammen. Hatte der da grade mit mir geredet? Unsicher blickte ich zu dem großen Mann. „Ja?“ „Ich bin Cid Highwind, freut mich, dich kennen zu lernen.“ „Öhm ja… Jennifer.“ „Okay, lass mich dir etwas über Traverse erzählen.“ „Schießen sie los.“ „Nur schon mal als Vorwarnung, alle anderen Bereiche außer Traverse Mitte sind von Herzlosen befallen, also pass besser auf. Des Weiteren ist Traverse in die Teile Nord, Ost und Süd aufgeteilt!“ Ich ließ mich auf den Boden sinken und hörte aufmerksam den Instruktionen zu. „Ich nehme mal nicht an, dass du kämpfen kannst, wurdest du trainiert?“

8. Kapitel  

„Nein, eigentlich nich.“ „Sora wird dir sagen wo du trainieren kannst.“ „Okay, erzählen Sie weiter.“ „Nichts weiter, alles Weitere wirst du schon sehen.“ „Oh.“ Ich zog eine Schnute und stand wieder auf. „Na dann, Goofy, Donald, wir können gehen!“, sagte Sora in Richtung der Beiden anderen, worauf diese aufstanden, Cid zuwinkten und aus dem Laden verschwanden. Wir gingen ihnen hinterher, ebenfalls kurz dem Mann zuwinkend. Hier waren also auch schon die Schatten. Aber warum nicht in Traverse… oder so, Mitte? Egal. „Okay, wir müssen zuerst durch Nord, dann nach Ost.“, erklärte mir Sora und gestikulierte dabei wild mit den Händen. „Da sind Herzlose, wir werden vor ihnen wegrennen, und sie besiegen, wenn du erstmal trainiert hast.“  „Okay.“ Na wunderbar, trainieren. Das hatte ja was mit Sport zu tun. Ich hasste Sport wie die Pest. „Und mit was soll ich kämpfen?“ Sora blieb stehen, dann sah er zu Donald und Goofy. „Planänderung Leute, wir gehen zuerst zum Olymp und helfen ihr beim trainieren!“ „Olymp? Naja, egal.“ Im Moment bemerkte mich eh keiner, da die drei am diskutieren waren. Währenddessen konnte ich mich hier ja schon mal umsehen, was sollte mich schon groß erwarten, immerhin blieb ich ja schön brav in der Mitte von diesem komischen Kaff hier, wie auch immer das noch gleich hieß, den Namen würde ich mir nie merken können. Ich wank ihnen zu und murmelte: „Bin mich ma umschauen.“ Die drei jedoch ignorierten mich gekonnt und erzählten weiter wild herum.  Ich ging nur mal eben um die Ecke, sah in das eine oder andere Haus hinein, naja, eigentlich nur in eines, ich saß oben auf einer Treppe und unten waren drei Enten. Kopfschüttelnd verließ ich das Haus wieder, doch sofort darauf weiteten sich meine Augen. „Ui~ ein großes Tor… naja, was soll schon dabei sein.“ Ich zog an der schweren Holztür die sich keinen Zentimeter bewegte, holte noch einmal tief Luft und versuchte es nochmal mit aller Kraft. Und tatsächlich, sie bewegte sich, aber auch nur so, dass ich gerade mal einen winzigen Spalt zum Durchrutschen hatte. Und ich, Dummkopf in persona, aber auch sehr neugierig glitt durch diese Lücke und hoffte, dahinter einige lustige Geschäfte zu finden. Doch folgender Gedanke kam mir zu spät: „Warum sollten coole Läden hinter großen, schweren und äußerst isolierenden Holztüren sein?“, sprach ich laut aus, worauf einige komische Gestalten auftauchten. „Ieeeeeks!!!“, kreischte ich, als ich erkannte was es war und rannte so schnell wie es ging die Treppen herab.
„Okay, Jenn, komm wir-“ Sora drehte sich um, zögerte und drehte sich zu Donald und Goofy um. „Ähm… wisst ihr vielleicht wo die Kleine ist?“ „Sie ist weg?!“, fragte Donald nach, schien dabei aber keineswegs negativ überrascht. „Genau, ist sie weg?“, fragte Goofy nun ebenfalls und sah Sora fragend an. „Würde ich sonst fragen?!“ „Oh ähm…“ Für einen kurzen Moment herrschte eine leicht drückende Stimmung, die sich aber sofort verzog. „Wir müssen sie suchen!“ „Ach was, die ist bestimmt bei meinen Neffen.“, meinte Donald beschwichtigend. „Ja!“ Goofy nickte zustimmend und lächelte Sora an.
Hechelnd lehnte ich an einer Hauswand. Hatte ich sie abgehangen? Hoffentlich. Vorsichtig sah ich um die Ecke. Nichts war da. Mich an der Mauer abstützend schleppte ich mich zur Tür, über der „District“ stand. Ich war schon einigen komischen Gestalten begegnet. Einigen Schatten, wie ich sie am Anfang sah, einigen großen Schatten mit Wampen und kleineren, bunten Tierchen die fliegen konnten. Sie sahen zwar wirklich süß aus, aber wirklich ungefährlich waren nur die Grünen, sie schienen aber ihre Gefährten zu heilen. Mein Herz schlug an meine Brustwand, wie das eines jungen Vogels, und ich konnte nur noch schwer atmen. Plötzlich ertönte ein komisches Geräusch. Darauf folgend ein Schrei eines Jungen. Sofort wandte ich mich um, konnte jedoch niemanden sehen. War ich ein potenzielles Opfer für irgendwelche ‚dunklen Machenschaften’? So war es immer in schlechten Filmen, wenn ich mich jetzt umdrehen würde, würde ich…natürlich drehte ich mich langsam um und kreischte laut auf, als ich in stechend blaue Augen blickte. Eine Hand hielt mir den Mund zu. „Pst!“ Forderte mich eine Stimme auf, dann ließ die Hand mein Gesicht los. „Sag mal spinnst du?!“, fuhr ich denjenigen an, der vor mir stand. „Was machst du überhaupt hier?!“, fragte er, wobei er sich durch die silbernen Haare fuhr. „Ich schau mich nur hier um.“, erwiderte ich schroff und stemmte die Hände in die Hüften. „So so, ein wehrloses Mädchen in einer der gefährlichsten Gegenden von Traverse, und das alleine?“ „Ja, oder ist das verboten?!“ Soviel zu ‚potentielles Opfer’. Der Kerl, ich kannte den doch von irgendwo her? „Nein, nur wie gesagt, ziemlich gefährlich.“ Dann stichelte er: „Scheinst ja ein sehr mutiges kleines Mädchen zu sein.“ „Ich bin nicht klein verdammt nochmal!“ „Hey, erlaub dir nicht zuviel.“ Er sah mich herausfordernd an. „Immerhin scheint es dir nicht gut zu gehen, du kannst nicht kämpfen, und dein Orientierungsvermögen ist wahrscheinlich auch gleich null.“ Alles Tarnung bestimmt! Irgendwie wollte er mich auf die ‚dunkle Seite’ ziehen, ich war mir da sicher…glaubte ich zumindest. Kurz zögerte ich, dann wandte ich mich mit geschlossenen Augen und kopfschüttelnd ab. „Du hast doch keine Ahnung.“, meinte ich öffnete die Augen und sah wieder in seine Augen. „Vielleicht, aber sicher mehr als du!“ „Das ist doch so gar nicht gesagt, und jetzt lass mir meinen Seelenfrieden.“ „Seelenfrieden hast du wenn du stirbst.“, meinte er und packte mein Handgelenk, als ich mich wieder abwenden wollte, um zu verschwinden. „An deiner Stelle würde ich nicht dahin gehen, da wimmelt es nur so von Viechern.“ „Ich hab keine Angst vor denen!“ Er grinste und winkte dann ab. „Schon klar.“ Irgendwie wurde er mir von Sekunde zu Sekunde sympathischer, ich hatte was für solche Männer übrig. „Ach? Und was weißt du?“ „Komm, und ich erzähl es dir.“ „Kann ich dir vertrauen?“, fragte ich nach und legte den Kopf schief. „Das erfährst du nur, wenn du es testest!“ „Spinner.“, murmelte ich und rümpfte die Nase. „Meine Mum hat mir verboten mit Fremden mitzugehen.“ „Gut, ich bin Riku. Jetzt bin ich dir nicht mehr fremd, oder?“

9. Kapitel  

Na wunderbar, jetzt stand ich hier, mit einem Kerl, der unbedingt wollte, dass ich zu ihm dackelte. „Ich komm ganz bestimmt nicht mit dir!“, motzte ich und zog eine Schnute. „Nun komm schon.“ Er lachte und legte seinen Arm um mich. „Was für ein falsches Spiel wird hier getrieben?!“, knurrte ich und sah ihn mit einem Seitenblick an. „Gar keins, was sollte auch schon laufen?“ „Wären wir jetzt in einer äußerst schlechten Geschichte dann wärst du bei den Bösen und wolltest mich dazu holen.“ „Ich?“ Er sah mich schief an. Riku? Genau, Riku! Sora hatte mir von ihm erzählt. Solche Augen sollte ich haben? Beängstigend. „Ja, du. Was mich angeht, ich muss jetzt gehen, und das solltest du auch tun.“ Ich befreite mich aus seinem Griff und sah ihn an. Solche Freunde hatte mein Kumpel also? Da stimmte doch irgendwas nicht. „Hast du was dagegen, wenn ich dich ein Stück begleite?“ „Und ob.“ Ich rümpfte abermals die Nase. „Ach, ich seh’s schon, du bist ein typischer Alleingänger. Ich komm trotzdem mit.“ Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Was sollte das?! Ohne ihn zu beachten ging ich meines Weges, eben durch die Tür. Kurz bevor ich diese öffnete sah ich Riku an. „Hau ab.“ Dann verschwand ich durch die Tür und ging weiter, er war direkt neben mir. „Sag mal, rede ich gegen eine Wand?! Sieh zu dass du Land gewinnst!“ Er jedoch zuckte mit den Schultern und ging mir weiter nach. Okay, eigentlich dumm ihm zu drohen, er konnte ja anscheinend kämpfen, und Jungen sind sowieso meist stärker als Mädchen. Die Rettung, ein Haus, und aus ihm drang Licht! „Ich bin zuhause, auf nimmer wieder sehn.“, knurrte ich Riku an. „Kein Problem, ich warte auf dich.“ Ich sah ihn vielsagend an, klopfte an, und verschwand in dem Haus als man mich hereinbat. Drei Personen sahen mich an, als wäre ich eine Wachsfigur, die plötzlich angefangen hatte zu leben. „Ähm… Hi?“, fragte ich und sah sie an. „Wer bist du?“, fragte mich eine Frau, die sich kurz einige lose braune Ponysträhnen wieder in den Zopf flocht. „I-ich bin Jenny.“, murmelte ich verlegen in meinen nicht vorhandenen Bart. Ein junger, an der Wand gelehnter Mann, sah auf und sagte dann nach einem kurzen Zögern. „Mein Name ist Leon.“ „Yuffie Kisaragi!“ Eine junge Frau winkte mir zu und grinste. „Ich bin-“ Ich unterbrach die andere Frau im rosa Kleid. „Dann müssen Sie Aerith sein!“ Die Drei sahen zu mir. „Bist du eine Freundin von Sora?“ Aerith kam zu mir und sah mich fragend an. „Jackpot.“ Ich grinste schief und kratzte mir den Hinterkopf. Wenn man Sora’s Kumpeline war, schien man ja ziemlich weit zu kommen, vielleicht hätte ich das auch zu Riku sagen sollen. „Sora’s Freunde sind auch unsere Freunde!“ Aerith tapste nun ebenfalls zu mir und grinste mich an. „Aber warum bist du alleine hier?“, fragte Leon und hob die Augenbrauen an. „Nun ja, ich hab mich ein wenig in Tra… wie auch immer ich hab mich hier umgesehen, bin hier zum ersten Mal.“ „Und du hast dich einfach durch die Herzlosen gekämpft?“, fragte er etwas ungläubig und sah mich an. „Also, das ist mir jetzt etwas peinlich… sagen wir so, ich bin den Kämpfen aus… dem Weg gegangen…“ „Ah, du kannst nicht kämpfen? Soll ich dich trainieren?“, fragte Leon freundlich. Trainieren? Mit dem? Okay, da hatte ich Angst, wenn ich gegen den Kämpfen müsste, der würde mich unangespitzt in den Boden stampfen! Ausflucht finden. Aber wie nur? Außerdem, wenn ich raus ging würde da einerseits der der arme Irre und einige Herzlose warten, aber andererseits wäre das schlimmer als mit Leon zu kämpfen. Wenn ich hier bleiben würde, wäre ich einerseits vor Riku sicher und vor den Herzlosen, andererseits müsste ich mit Leon kämpfen. Krass, das ätzt. Vielleicht sollte ich mal schauen ob der Weißhaarige noch da war? „Ich muss mir das mal eben überlegen, so lang geh ich raus, okay?“ „Lass dir Zeit.“ Ich grinste schief bei der Antwort, ging vor die Tür und sah mich um. Riku war so schnell verschwunden wie er aufgetaucht war. Besser so, für ihn und für meine Nerven. Ich drückte die Tür wieder auf. „Okay, ich wäre bereit zu trainieren.“ „Gut.“, antwortete Leon, der heraustrat und mich ansah.
„Fehlanzeige, sie ist nicht bei Tick, Trick und Track. Aber sie war kurz da.“, sagte Sora, der zur Kontrolle doch mal nachgeschaut hatte. „Was glaub ihr, wo ist sie hin?“ Goofy und Donald sahen sich kurz an, dann zu Sora. „Vielleicht wartet sie im Gumi auf uns?“ „Geht nicht, wir haben’s doch verschlossen. Also, wo so-“ Der Braunhaarige zögerte, dann rannte er los. „An die Waffen, ich hab da so ne vage Vermutung!“ Donald und Goofy zögerten nicht lange, und rannten ihm hinterher nach Traverse Nord. „Passt gut auf euch auf!“, rief er und kämpfte sich schon durch die Monster. „Ach, was!“, meinte Donald sarkastisch und zauberte sämtliche Zaubersprüche, die er grade bereit hatte. „Seht ihr sie irgendwo?“ „Nein.“ Goofy sah sich um, dann merkte er, dass die Monster erledigt waren. „Weiter nach Traverse Ost!“ „Sicher, dass sie nicht irgendwo in den Häusern ist?“ „Nein, bestimmt nicht.“ Sora rannte in die Seitengasse wo ihn gleich eine Adowampe und einige Zikzakzipfler überraschten, welche er aber ohne große Schwierigkeiten umging und hinter der Tür mit dem Schild „District“ verschwand.
„Siehst du, so geht das.“ Leon, Aerith und ich standen in der Kanalisation. Er hatte mir sein Schwert in die Hände gedrückt und führte mich. „Ich rall das nicht, ich kann mit Schwertern nicht umgehn…“, murmelte ich vor mich hin, worauf Leon Mut machend sagte, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen seie, und dass das mit ein wenig Übung schon wird. Das übliche Gelaber halt, von dem man nichts glauben konnte, so wie die Mütter früher sagten: „Kindchen, du wirst bestimmt mal ein großer Maler!“ wobei die Bilder ziemlich…bescheiden aussahen. „Ja natürlich.“ Ich nickte unmotiviert und seufzte, worauf der Braunhaarige mich losließ. Das nicht bemerkend schlug ich weiter so vor mich hin, zu schwach und ziemlich schief.

10. Kapitel  

„Leon, das wird so nix, sieh sie dir doch an.“, flüsterte Aerith worauf er antwortete: „Also ich finde sie sieht ganz okay aus.“ „Ach Leon, die Kleine ist von Heimweh zerfressen und noch total unsicher. Außerdem schaut sie ziemlich…nun ja, ungesund aus.“ Mir war warm und mein Verstand war leicht benebelt. Was war hier nur los? Warum musste so was grade mir passieren? Müde sackte ich auf die Knie und seufzte. Sollte das wirklich eine so gute Entscheidung gewesen sein, mit Sora zu gehen? Hätte ich es als Herzlose nicht einfacher gehabt? Ich schloss die Augen, wobei mein leicht schneller Atem wieder langsamer wurde. „Ich glaub wir sollten sie erstmal in Ruhe lassen.“, meinte Aerith noch, worauf Leon mir das Schwert abnahm und mit ihr nach oben verschwand. Anscheinend besser so. Diese Ruhe war einfach wunderschön. Ich kniete weiter so vor mich hin, mit geschlossenen Augen und vielen Gedanken, die drohten, mein Gemüt zu zerstören. Diese ganzen negativen Gedanken daran, wann ich denn endlich wieder nach Haus kam oder wieder meine Freunde wieder sah. Irgendwie fühlte ich mich hier jetzt nicht mehr so sicher, seit Leon und Aerith weg waren. Ich war schutzlos, aber wer weiß, vielleicht waren hier ja gar keine Monster. Mit den Gedanken hörte ich zu, wie das Wasser an mir vorbeirauschte. Wohin es wohl floss? Gab es hier in good old… wie auch immer etwa ein Meer? Oder ging diese Welt weiter als man glaubte?
Sora, Goofy und Donald sahen sich kurz um. In Traverse Ost war auch niemand. „Jenn, bist du hier?!“, rief Sora. Ein altes Gefühl überkam ihn, wie damals, als er Kairi und Riku verlor. Keine Antwort war zu hören. Er seufzte und wollte sich grade wieder umdrehen, als Donald Leon und Aerith freundlich begrüßte. „Hi Donald, Goofy und Sora. Was macht ihr hier?“ Der Braunhaarige drehte sich um. „Wir suchen eine Freundin von mir.“ „Meinst du diese Kleine? Etwa so?“ Leon deutete mit der Hand an wie groß sie etwa war. Schon allein wegen dieser Größenangabe, wussten Sora und seine Freunde, dass es sich dabei um Jenn handeln musste. „Ja, genau die, habt ihr sie gesehen?“
Ich hatte es mir grade gemütlich gemacht, da spürte ich, wie mir jemand die Augen verband und mir den Mund zuhielt. Ich war geschockt und wollte strampeln, als ich merkte, dass jene Person mich fesselte und mich grade hochhob um mich zu verschleppen. „Jenny, endlich haben wir dich gefunden!“, hörte ich eine bekannte Stimme rufen, worauf ich fallen gelassen wurde und jemand schnell sämtliche Fesseln löste. Ich riss die Augen auf und sah, dass dieser Jemand schon verschwunden war, stattdessen kamen gerade Sora und die anderen herein gerannt. „Hä?“ Ich war leicht verwirrt, dann nickte ich. „Ja, Jenny das ist mein Name.“ Perplex sah ich die Drei an. „Wo habt ihr Leon und Aerith gelassen?“ „Die sind bei Yuffie.“ Dann kam der Braunhaarige auf mich zu und kniete sich vor mich. “Jag mir nie mehr so einen Schrecken ein.“, sagte er und hatte dabei die Hände auf meine Schultern gelegt. ‚Bitte hilf mir!’ Warum schoss mir grade diese Situation immer wieder durch den Kopf? „Ja…“, murmelte ich nur und senkte den Kopf. „Versprech’s mir!“ „Ich kann so was nicht versprechen!“ „Bitte pass auf dich auf!“ Donald und Goofy sahen Sora dabei zu, wie er versuchte mir sagen, dass ich besser auf mich aufpassen sollte und nicht mehr alleine weggehen sollte. „Naja, da du Leon, Yuffie und Aerith jetzt schon kennst… dann können wir ja gehen.“ Ich sah ihn an. „Ich-“ „Ja?“ Grade wollte mir schon rausplatzen, dass ich Riku getroffen hätte, aber wer weiß, vielleicht war das auch nur eine Falle. „Ich hab Hunger.“ Sora grinste schief und zog mich mit einem Ruck hoch. „Du wirst dich nie ändern. Ist auch besser so.“ Er lächelte mich an. „Denn jetzt trotzt du der Dunkelheit, hoffen wir, dass es so bleibt.“ Kurz knurrte ich, dann sah ich Sora an. „Ich will kein Gesülze, ich will etwas zu essen!“ Sora seufzte, verdrehte die Augen und grinste. „Naja, war ja klar.“ „Sorry.“, murmelte ich und sah ihn entschuldigend an. „Ich bin doch auch nur ein Mensch.“ „Schon okay.“ Er lächelte. Irgendwie kam mir  dieser Tonfall bekannt vor. ‚Danke.’, kam es mir wieder ins Gedächtnis. Warum musste ich mich immer wieder an diesen bescheuerten Traum erinnern? „Können wir dann gehen?!“, drängelte Donald. Irgendwie hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass der Erpel mich nicht wirklich gut leiden konnte. Warum nur? Vielleicht war er ja auch einfach nur misstrauisch. Naja, jedem das seine, mir das Meiste und wen´s stört: Pech gehabt. Ich zuckte nochmal mit den Schultern und trabte dann Richtung Ausgang. Wer war das da nur gewesen? Auf jeden Fall war er oder sie stark, wenn sogar Sora es nicht schaffte mich hochzuheben… oder tat er es doch? Ich glaub mal eher nicht, er hatte es immerhin auch im Traum nicht geschafft. „Jenn, was stehst du noch da rum?“, rief Sora mir zu, der schon ziemlich weit weg war. „Oh sorry, ich war grad gedanklich woanders!“ „Beeil dich!“ Ich zog kurz eine Schnute. Ich hasste es, mich hetzen zu müssen. Etwas schneller trabte ich Sora hinterher und blickte noch einmal kurz hinter mich. Nichts. Dieses Örtchen hier schien ja wirklich ein gefährliches Pflaster zu sein. Gefährliches Pflaster…?! Seid wann dachte ich denn in solchen Redewendungen? Schief über mich selber grinsend rannte ich dann zu Sora und hakte mich bei ihm ein. Immerhin war er mein einziger Schutz. Ob ich wohl doch etwas über Riku sagen sollte? Nee, lieber nicht. „So, was das Kämpfen angeht, mit was für Waffen kannst du denn so umgehn?“, fragte Sora mich und sah mich lächelnd an. „Mit gar nix, das ist ja das Problem!“ Ich verzog das Gesicht und fügte dann an: „Mir hat ja keiner Kämpfen beigebracht.“ „Was? Wieso- Achso, stimmt, du bist ja aus ’ner ganz anderen Welt.“ „Sag ich doch, okay, eigentlich nicht, aber was glaubst du denn, wäre meine Waffe?“ „Vielleicht n Stab?“ Stab? Genau das hatte er früher im Traum auch vorgeschlagen! Ja, war ich denn jetzt völlig meschugge?!  Erst dieser Traum, dann der andere Traum und nun sogar in Wirklichkeit diese verdammte Reise! Na wunderbar, besser hätte ich es mir wirklich nicht erträumen lassen können. Naja, immerhin war ich so meine Eltern losgeworden und meine Klassenkameraden, also eigentlich doch nicht so negativ. „Könnte schon sein.“ Kurz zuckte ich mit den Schultern dann hakte ich mich auch bei Goofy ein, so dass wir zu dritt gingen, Donald weigerte sich. Ich wusste es! Er hasst mich! Meine Mundwinkel sanken etwas nach unten. „Warum nicht Donald? Sei keine Spaßbremse!“ „Vielleicht weil die Herzlosen noch herumstreifen?!“ „Dann kannst du doch loslassen, oder glaubst du, ich würd dich festhalten?!“ „Wer weiß!“ Ich plusterte mich auf und sah dann zu Sora. „Der wirft mir vor ich wäre bös!“ „Bei dir weiß man doch nie!“, wetterte Donald herüber, worauf ich ihn versuchte, mit einem bösen Blick zu erdolchen, was natürlich genau so gut ging, als würde man einen Schäferhund in ein Gurkenglas zwängen. Donald deutete auf mich und meinte zu Sora: „Siehst du! Sie schaut schon so böse!“ Ich schüttelte den Kopf. „Ist ja gar nicht wahr!“ „Ich würd das auch nicht glauben.“, mischte Goofy sich ein und lächelte. „Ach Donald, nur weil sie neu is musst du sie nich gleich so misstrauisch anstarren. Das macht sie nur nervös!“ „Genau, danke Sora.“ „Keine Ursache.“ Er grinste mich an. Irgendwie war es jetzt erstaunlich ruhig, keine einziger Schatten war unterwegs. Das war schon ziemlich seltsam. Doch weit gefehlt. Es dauerte nicht lange, dann baute sich vor uns eine recht bizarre Kreatur auf. Riesig, schwarz und wohl ziemlich gefährlich sah sie aus. Sora und Goofy rissen sich von mir los und waren von einer auf die andere Sekunde merkwürdigerweise verschwunden. „W-W-Was zur Hölle ist DAS?!... S-Sora?!“ Panisch sah ich mich nach dem Braunhaarigen um und hoffte auf seine Hilfe, die ich jetzt ja wohl mehr brauchte als fast jemals zuvor halt mal abgesehen von in der Schule. Nirgendwo war auch nur eine Spur von meinen Kumpanen. Ich zitterte, als ich einen kalten Wind um mich herum wehen fühlte. Es war totenstill, das Monster und ich standen uns einige Minuten gegenüber, so kam es mir vor. Doch eigentlich waren es nur wenige Sekunden, bis es sich aufrichtete und ein lautes Grölen ausstieß. Verunsichert trat ich einige Schritte zurück, wollte ich beinah schon umdrehen und rennen, doch mir fiel wieder ein, dass man seinem ärgsten Gegner niemals den Rücken zudrehen sollte. Es schien ja nicht gerade nun ja… freundlich gesonnen. Jedenfalls nicht mir gegenüber. Es tat sich ziemlich schwer und kam wankend einen Schritt auf mich zu. „Bleib bloß weg von mir!“, schrie ich das Monster an, welches jedoch noch einen lauten Schritt auf mich zu tat. „Hau ab!“, rief ich und schritt ein wenig zurück, ich hatte verdammte Angst, davor so zu enden wie diese kleinen schwarzen Dinger die in der Nähe des großen Viechs herumkrochen. Langsam näherte ich mich dem Schatten, der mich trotzdem irgendwie faszinierte.
„Zur Seite!“ „Was?!“ Ich sah mich um. Nichts zu sehen, alles war in Dunkelheit gewogen, außer dem Monster und ich. „Aus dem Weg!“, brummte eine doch nicht so unbekannte Stimme. „Wo bist du?“ ich trat wieder einige Schritte zurück und stieß gegen jemanden… oder etwas? „Gefunden.“, knurrte er und schob mich mehr ins Licht. Nun konnte ich ihn sehen. Schnell strich er einige Haare aus seinen stechenden blauen Augen. „Du hast wirklich keine Ahnung was da vor dir steht oder?!“ Vor Freude fiel ich ihm doch glatt um den Hals. „Riku!“ Ich ließ ihn wieder los und sah ihn an. „Ich bin so froh, dass du hier bist!“ „Ach, auf einmal.“ Er drückte mich beiseite und seufzte entnervt, dann zog er ein ziemlich komisch aussehendes Schwert. Naja, solange es mich aus dieser Lage hier befreite. Vielleicht war das ganze hier wieder nur ein Traum? Nein, dafür fühlte es sich viel zu real an. „So, Kleine-“ „Ich bin nicht klein!“ „Wie auch immer. Hör zu, steh mir am besten nicht im Weg und egal was du tust, halt dich von mir und dem Viech fern!“ Ich sah ihn schief an. Wie jetzt? Erst Nervensäge und dann Beschützerinstinkt oder wie? Sein Benehmen kam mir von Anfang an total komisch vor, aber immerhin konnte er mich jetzt retten, wenigstens etwas Positives. Und er ist wahrscheinlich doch nur eine Falle! „Wieso soll ich mich von dir fernhalten?“ „Frag nicht, tu’s einfach!“ „Findest du es nicht etwas weit hergeholt, dass-“ Und weg war er, im Kampf mit dem Schatten. „Ich sag einfach gar nix mehr.“, murmelte ich und verschränkte die Arme genervt, wobei ich betrachtete, wie er dem Monster auswich und ab und zu mit dem Schwert auf dem großen Ungetüm herumkloppte, und so was sollte ich lernen? Naja, bis er das Viech besiegt hatte, könnte es ja noch etwas dauern, dachte ich mir und versuchte Riku fern zu bleiben und nicht zu stören. Doch plötzlich explodierte das komische Ding und alles um mich herum wurde triefend schwarz.
„Jenn! Jenn!“ Jemand rappelte an mir herum. „Ich sagte es doch, das Mädchen macht nix als Ärger!“ Es waren Donald und Sora. Verschlafen öffnete ich die Augen. „Hey, geht es dir gut?“ Ich richtete mich wie vom Affen gebissen auf und sah Sora an. „Wie soll’s mir gut gehen?! Da war so ein riesiges Schattenviech und ihr wart weg und-“ „Hey, ganz ruhig, du bist gestolpert, unglücklich gefallen und ohnmächtig geworden!“, quakte der Enterich und stemmte die Hände in die Hüfte. „Ja, und dann hat Sora dich aufgehoben.“ Verwirrt sah ich Goofy an. Was war nur los? „Wo sind wir?“, fragte ich und bekam sofort von dem Braunhaarigen eine Antwort. „Im Gumi.“ Ja, sah ich nun auch. „Was war denn los? Du hast nachdem es wieder okay war und du geschlafen hast andauernd so was gemurmelt wie: ‚Hau ab.’ Und so.“ „Also, das war-“ „Wir sind da!“ „Weißt du, erzähl’s mir nach dem Training.“ Seufzend rollte ich mich von seinen Armen hinunter. War ja klar, dass es verschoben wurde.

11. Kapitel  

Ein Ruck fuhr durch das Gumi, als es landete, so dass ich fast auf sie andere Seite des Gumi-Jets gerollt wäre. Naja, wenn man sonst nichts anderes zu tun hat. Einige Meter bin ich gerollt, entsprechend fühlte ich mich auch, ziemlich geschüttelt und gerührt. Sora grinste nur schief, Donald zeigte Schadenfreude und Goofy half mir freundlicherweise auf. „Danke.“ „Okay, wir können dann loslegen.“, meinte Sora und stand von seiner, für mich ziemlich ungesund aussehenden, Sitzposition auf, dann schlurfte ich nach draußen, mich umsehend. Wie lange hatte ich nicht mehr richtig geschlafen? Es war mir egal. „Hey Phil!“ rief Sora, als er in die Eingangshalle trabte. „Hey Kleiner!“ Ich lehnte mich als ich rein gekommen war gegen eine Wand und erschrak. „Himmel und Hölle, was ist DAS?!“ Phil sah mich recht verärgert an. „Ich bin ein Satyr! Was tust du überhaupt hier?! Du siehst ja ganz und gar nicht heldenhaft aus!“ Auf einmal packte mich wieder das pure Leben. Ich plusterte mich vor ihm auf und sah ihn herausfordernd an. „Woll’n wir’s ausprobieren?!“ Der Satyr Phil lachte laut auf. War ich etwa so eine Lachnummer? Unerhört, was sich dieser…dieser Pferdemensch erlaubte! „Oh nein Kleine, ich bezweifle, dass du-“ Sora sah den Satyr erwartungsvoll an. „Aber… weil du es bist mache ich eine Ausnahme.“ Er rümpfte die Nase und stieg von dem kleinen Podest hinab, worauf er die Türen zu dem Kampfplatz öffnete. „Braucht ihr irgendwelche Gegner?“ „Nee, Donald springt schon ein, hast du vielleicht ein Kostüm?“, fragte Sora Phil, der darauf den Kopf schüttelte. „Nein. Aber glaubst du wirklich die könnte-“ Er stockte als er mich und Donald sah. „Ich hab dich gar nicht böse angeschaut!“ „Hast du wohl!“ „Erzähl keinen Schmu!“ Wir zeterten herum, Phil sah zu dem Braunhaarigen und meinte trocken: „Naja, okay, da hab ich mich vertan, sie könnte ihn schlagen.“ „Naja… würdest du uns denn ein paar Monster leihen?“ „Ja, aber findeste das nich hart wenn die dann angreifen?“ „Doch…“ Sora sah unentschlossen zu mir herüber worauf ich ihn nur schmollend ansah, warum wohl. Dann wandte ich mich von dem Erpel ab, der darauf mehr oder minder wütend schon auf den Platz marschierte. „Phil, du weißt es besser, trainier du sie!“, meinte Sora, der nun zu mir gelaufen kam und mich mit auf den Platz zerrte. Goofy und Donald nahmen auf den Treppen platz, der Braunhaarige und ich standen auf dem Feld. Was wollte der denn hier? Nun ja, egal. Die Türe öffnete sich und hervor trat der Satyr der mich dann genau unter die Lupe nahm. „Hast du irgendwelche Waffen?“ Kurz zögerte ich, sah an mir hinab und meinte dann: „Nein.“ „Irgendein Talent?“ „Ähm… nein?“ „Und wie sollen wir dann aus dir was machen?! Bist du wenigstens sportlich?“ „JA! Äh… Nein.“ „Na, das kann noch was werden.“, murmelte Phil und schien nachzudenken, bis ihm plötzlich ein Licht aufging und mich ansah. „Wenn du nichts kannst, dann machen wir halt, dass du was kannst!“ Ich sah ihn an, als wäre er von allen guten Geistern verlassen. Ich und etwas können? Lustig, guter Witz, wir haben alle gelacht, haha. Er schritt zu einem Tor, welches er öffnete und einige Monster hinausbrachte. „So, erstmal trainieren wir das du wegrennen kannst, auch wenn du viel trägst. Hier, nimm das Puffungi.“ Er drückte mir einen Herzlosen in die Arme, der mich treudoof ansah, worauf ich die Augen zusammenkniff. „Gott, ist der süß!“, meinte ich und knuddelte das Teil durch. Plötzlich merkte ich wie es warm wurde und sah dann an mir hinab. Ich kreischte laut auf, warf mich in den Sand, und stand wieder auf um das Feuer, zu löschen, das meine Hose gefangen hatte. Ich sah mich um, und erblickte dann einen komischen fliegenden Herzlosen. „Hau vor dem Vieh ab!“, rief mir Sora zu. Als dann noch ein Zikzakzipfler und ein Arktikzipfler dazu kamen rannte ich um mein Leben, mit dem Puffungi. Diese Zipfler raubten mir den letzten Nerv und den grossteil meines Atems. „Ich kann nicht me-“ Ich fiel hin mit dem Herzlosen in den Armen, den ich aber durch eine Drehung vor dem Aufprall rettete. Die anderen drei Herzlosen schwebten nun über mir und wollten mich angreifen. Déjà-vu. Ich drückte das Puffungi an mich, wobei die Außenwelt nichtig wurde. Zitternd blickte ich die Viecher an, welche meinen Blick zu erwidern schienen, drückte mich an den Boden und vergaß, dass mir Sora, Donald, Goofy und Phil helfen konnten. Ich war völlig allein mit diesen unmenschlichen Viechern in meiner eigenen kleinen Welt, die so dunkel und endlos schien. Diese Augen. Sie starrten mich an, drohend. Langsam kamen die Gestalten näher, setzten zum Angriff an. Wie sollte ich mich bloß verteidigen? Konnte ich mich verteidigen? Mein Körper verteidigte sich selber. Das Herz pochte wie das eines jungen Vogels gegen meine Brust. Hämmerte. Es wurde dunkler, immer dunkler und kälter. Plötzlich schien alles wie ausgeschaltet und ich fiel in eine tiefe Dunkelheit. Wie oft noch?!
Sora sprang auf und stürzte zu den Herzlosen, die er mit dem Schlüsselschwert erledigte. „Oh, mein Gott!“ Goofy kniete sich neben das Mädchen. „Jenn, geht es dir gut?“, fragte er und rüttelte an ihr, sie zeigte keine Reaktion darauf. „Ich hab’s doch gleich gesagt. Schwächling.“, meinte Phil von weitem, worauf Sora nur antwortete: „Phil, hol ne Matratze oder so, sie hat ’nen Nervenzusammenbruch!“ „Jaja, meine Güte!“, meinte der Angesprochene und verschwand in der Eingangshalle. Donald der die Hand auf ihre Stirn gelegt hatte schaltete sich ein und meinte zu Sora: „Ohje, die is ja ganz warm!“ Phil eilte wieder herein. „Wir haben kein Unterbett!“ Sora zögerte nicht lange, streckte die Beine aus und legte sie auf seinen Schoß, wobei er ihr Luft zufächerte. „Na wunderbar, wir haben jetzt Zeit verschwendet.“, meinte Donald, worauf Sora antwortete: „Nein, wir müssen sie langsam an die Herzlosen ranführen, sonst kriegt sie andauernd ’nen Nervenzusammenbruch.“ „Klingt richtig.“ Donald nickte, nachdem Goofy schon zugestimmt hatte. „Wie könnten wir das tun?“ „Ich weiß nicht.“, antwortete der Braunhaarige auf die Frage des Erpels, dann fügte er an: „Sie fand doch Puffungi so süß, vielleicht können wir ihr ja irgendwie klar machen, dass Puffungi auch ein Herzloser ist, und dass sie sich nicht fürchten muss.“ „Eher würde sie auch vor Puffungi Angst haben, als das sie die Furcht verliert.“ „Genau.“, bejahte Goofy. Sora sah Donald an und nickte dann auch. Da könnte er wirklich recht haben immerhin war sie nicht die Mutigste, und erst recht nicht die Klügste unter der Sonne. „Das wird wirklich schwerer als wir dachten.“ Plötzlich kam Donald etwas in den Sinn. Der Erpel blickte Sora, seinen Gegenüber an und meinte dann: „Wir dürfen doch eigentlich niemanden mitnehmen, das ist doch Einmischung. Oder was soll das?“ Sora zögerte, senkte den Kopf und seufzte während er die sich auf seinem Schoß befindende Person anblickte. Donald hatte Recht. Was hatte er da nur getan? Er hatte die Geschichte eines wohlmöglich ganzen Planeten beeinflusst! „Wir müssen sie zurückbringen.“, meinte Donald worauf Goofy und Sora ihn geschockt ansahen. „Wie bitte?!“, entgegneten sie wie aus einem Munde dem Gefederten. „Ja, wir können nicht anders, die Weltgeschichte würde sich ändern.“ „Aber wir können die Herzlosen doch nicht das Herz von der Kleinen stehlen lassen.“ Goofy nickte beipflichtend worauf Donald seufzte. „Ich schätze, wir haben gar keine andere Wahl. Wir müssen sie zurückbringen. Tut mir Leid, Sora.“ Der Blauäugige sah ihn entsetzt an. „Aber-“ „Kein Aber, außerdem ist sie uns doch nur ein Klotz am Bein. Sie ist völlig unfähig!“ „Meinst du, sie ist inkomponent?“ „Inkompetent. Genau das ist sie. Sora, seh es ein, Goofy hatte vollkommen Recht mit ‚inkompetent’. Sie ist einfach nicht dazu in der Lage. Entweder wir bringen sie zurück oder wir müssen sie in Traverse lassen!“ „Donald!“ Sora sah ihn verärgert an. „Wie kannst du nur so bösartig sein?!“ „Ich bin nicht bösartig, ich will nur, dass wir uns nicht einmischen!“ „Aber sonst wäre sie gestorben, außerdem haben wir so einen Feind weniger!“ „Mag sein, aber das ist einfach nicht gut.“ „Also ich bin nicht dafür, sie zurück zu bringen.“, knurrte Sora, stand auf, lies Jenn liegen und stapfte wütend aus der Arena, worauf der Erpel und das hundeartige Wesen ihm nacheilten und über die Aufregung das Mädchen sofort vergaßen, auch wenn sie das eigentliche Thema war.
„Rrm~“ Ich gab einen undefinierbaren Laut von mir, ehe ich meinen Kopf auf die Hände bettete. „Passt auf, sie kommt zu sich.“ Ich kniff die Augen zusammen, als dies gesagt wurde und kuschelte mich an den kühlen Boden. „Ich will nicht weitertrainieren…“, murrte ich und krallte mich dann mit den zuvor als Kissen benutzten Händen an irgendetwas fest. „Lasst mich…“ Ich spürte Blicke auf mir ruhen, und merkte so langsam, in was ich mich da hineinkrallte. „Geht’s?“, fragte jemand worauf ich leise: „Is mir doch Latte…“, murmelte und die Augen weiterhin geschlossen hielt. „Trainier sie.“, vernahm ich eine kalte Stimme worauf ich aufhorchte. Training? Nicht mit mir! Jemand anderes gab jedoch nur ein dumpfes: „Mhm.“, als Zustimmung von sich. Das konnten die doch nicht über meinen Kopf hinweg entscheiden! ...Wo war ich überhaupt?! Und wer waren diese Leute?! Verdammt nochmal, ich schien die einzige zu sein, die von nichts wusste! „Ehm… Hallo?!“ Ich fragte mich ernsthaft ob ich die Augen öffnen sollte, und ob mir das was ich sehen würde, gefallen würde. Dann öffnete ich die Augen und blickte als erstes auf einen Schuh. „Geht’s noch?! Hab ich vielleicht gesagt das ich trainiert werden will, und das auch noch von wildfremden Leuten?!“ Ich sah in die Richtung aus der die düster klingelnde Stimme kam und blickte in das Gesicht einer alten Schrulle… glaub zumindest das sie alt war, aber eins war sie: Hässlich! Und wenn ich das sage, dann meine ich das auch so. Ein langer schwarzer Umhang flatterte im Wind. Sie blickte mich an, als würde sie mich am liebsten ihre Tochter nennen. „Aber wir sind dir doch gar nicht wildfremd.“ Für einen kurzen Moment fragte ich mich wirklich, aus welchem Irrenhaus sie ausgebrochen war, aber als ich eine bekannte Stimme hörte, vertrieb ich diesen Gedanken schnell wieder. „Zumindest ich nicht.“ Ein kalter Schauer lief über meinen Rücken, worauf ich aufsah zu demjenigen, der da gesprochen hatte. „Riku…?“ Ich sah schief drein. Was war denn mit dem los? Sekunde mal! Ich hab’s doch gleich gesagt! Er gehörte zu den Bösen! Pah! Und wer hört auf mich, hm? Keiner, war ja klar, bin ja nur ich! Er sah zu mir hinab und musterte mich, ehe er sich zu mir hinabkniete. „Bist du okay?“ Ich schnaubte und sah ihn an. „Nichts ist okay! Ich bin seit einigen Stunden hier in dieser Welt gefangen, dann kommst du an und meinst erst, einen auf nett zu machen, dann holt ihr mich von meinen Freunden weg! Geht’s noch?!“ Er sah mich mit einem Blick an, den ich nicht wirklich zuordnen konnte. Sollte das jetzt Mitleid sein?! „Das frag ich mich sowieso mein ganzes Leben schon: Geht’s noch?! Und dann kommt ihr an und…“ Ich war vor Wut rot angelaufen und redete die anderen über den Haufen. Die große dürre Schachtel grinste vor sich hin und Riku war auch keine große Hilfe. „Meine Fresse! Merkt ihr eigentlich noch was? Ihr habt mich einfach hier reingezogen! Versucht bloß nicht, mich irgendwie zum Bösen zu bekehren!“ Mein Hals schmerzte zwar, aber das merkte ich unter dem blinden Hass nicht. „Dich muss man gar nicht mehr bekehren.“, meinte die Tusse und legte mir ihre Hand auf. „Du erfüllst alle Vorraussetzungen.“ Das untere Augenlid meines rechten Auges zuckte leicht, dann kreischte ich auf: „Fassen Sie mich nicht an!“ Mit den Worten schlug ich ihre Hand von meinem Kopf und tobte. Was bildete die sich ein?! Mich zu tätscheln und mich zu behandeln wie ihre Tochter, abartig! „Du….“ Die Frau im Mantel musste sich beherrschen, dann meinte sie aber ruhig: „Du könntest hier so viel mehr erreichen, denk darüber nach.“ „Hallo?! Hören Sie mir überhaupt zu?! Ich kenne nicht mal Ihren Namen!“ „Malefiz.“, antwortete sie knapp und sah mich ernst an. „Und du bist Jennifer.“ Ich sah sie an und rümpfte die Nase, worauf meine Stirn leichte Falten warf.

12.. Kapitel  

Da saß ich nun. Bei den Bösen. Ich hatte mich zwischenzeitlich aufgerappelt und versuchte mir einen Plan auszudenken, wie ich flüchten konnte, zu Fuß jedenfalls nicht. „Wissen Sie, es is nich grad höflich den Gast sich nicht selber vorstellen zu lassen. Und jetzt mal ernsthaft, glauben Sie wirklich mit diesem, tut mir Leid, aber es is so, mit diesem lachhaften Plan den Sie wahrscheinlich haben, was erreichen zu können?“ Das war wieder mal ganz ich. Große Klappe, nichts dahinter. Malefiz hob eine Augenbraue an und grinste dann. „Das Böse in deinem Herzen wächst nicht nur ins Unermessliche, du bist auch noch frech. Nur leider gegenüber den falschen Leuten.“ „Pah.“, meinte ich nur. Riku schien interessiert zu lauschen. Okay, war ja auch ziemlich… ‚interessant’. „Schau doch nur hin, die Drei haben dich doch nur mitgenommen, um jemanden zu haben der sie bekocht.“ Lustig! Die wollte mich einlullen! „Bestimmt nicht. Sie lügen, und wenn Sie so weitermachen wird uns eines Tages noch der Himmel auf den Kopf fallen. Versuchen Sie es erst gar nicht weiter und machen Sie sich keine unnötige Mühe.“ „Aber aus dir könnte man doch so viel mehr machen!“ Riku nickte artig, was mich zum Stutzen brachte. Die wollte mich gar nicht zwingen? Was würde dabei für mich herausspringen? „Stopp! An so was darf ich nicht mal denken!“, erinnerte ich mich selber in Gedanken, wobei ich die Stirn leicht kraus zog. Wenn ich nun in diesen ‚Schatten’ rutschen würde, dann würde sich das wie ein Delirium auf mich auswirken, nur ohne Alkohol halt… glaubte ich zumindest. Aber es wäre die einzige Chance hier raus zu kommen. „Ich werd’s mir mal überlegen.“ Dann gähnte ich und schloss einfach wieder die Augen. „Du hast keine Zeit zum Überlegen.“, meinte Riku und sah wieder zu mir hinab, da ich mich wieder hingelegt hatte. Bitte? Ein Angebot das ich nicht ablehnen konnte? „Was würde mir das bringen?“, fragte ich und öffnete das rechte Auge, wobei ich desinteressiert die Umgebung musterte. „Du bist nicht zufällig verliebt?“ Ich zögerte. „Nein. Wieso?“ „Dann könnten wir genau diese Person vor den Schatten retten.“ „Was bringt mir das? Mit Sora könnte ich alle vor den Schatten retten.“ Außerdem war ich grade erst 14. Wenn ich und mein eventuell vorhandener Schwarm dann nur noch leben würden, dann würde mir das auch nichts bringen, weil er mich ja gar nicht lieben würde. So war das doch immer. „Das könntest du. Aber denk mal genau nach. Du würdest dich zwar selber retten, aber dafür würdest du auch alle anderen Idioten retten.“, meinte Riku dann. Naja, wo er recht hatte… aber was wäre das Leben ohne echte Feinde? „Ich rette gerne meine Feinde, dann hab ich später was bei ihnen gut.“ Ich sah zur Seite. Irgendwie zweifelte ich an meinen eigenen Worten. Vielleicht hatten die ja gar nicht mal so Unrecht? Es überkam mich wieder das Gefühl der Kälte, wie ich es in meinem Traum hatte. Ich war einfach nicht für die Schatten geschaffen, aber irgendwo wirkte sich dieses dunkel ziemlich anziehend auf mich aus. Ich wollte zu gerne wissen, was da drin wirklich vorging. Nutzte Malefiz meine krankhafte Neugierde gegenüber solchen Dingen aus? Malefiz… irgendwie kam mir der Name bekannt vor. Wurde nicht mal beim Domino Day ein Bild namens ‚Malefiz’ gelegt das den Teufel zeigte? Egal, ich konnte mich mal wieder irren. „Was wollt ihr eigentlich von mir, ich hab doch nichtmal irgendwelche Fähigkeiten. Oder soll ich etwa meine Freunde ausspionieren?!“ „Glaubst du, dass sind wirklich deine Freunde?“, fragte mich Malefiz, worauf ihre Augen eine Art… freundschaftliche Wärme ausstrahlten. Wollte die mich nur in die Irre führen? „Ja, sonst hätten die mich in meiner Welt gelassen.“, meinte ich und sah die große Frau schief an. Irgendwie logisch, oder? Ihr Blick verdunkelte sich und sie knurrte irgendwas, wobei ich das Gefühl nicht loswurde, das sie irgendwas vorhatte. Die Augen geschlossen, mit einem irgendwie ernsthaften Gesichtsaudruck sagte ich dann: „Jetzt ist Schluss mit den Kinderspielchen, ich will entweder Heim oder zu Sora. Aber hier bleib ich nich!“ „Riku.“ Der Junge nickte als er seinen Namen hörte, worauf ich nur noch ein Drücken an meinen Handgelenken verspürte. „Wenn du auf unserer Seite wärst, würde mir das vielleicht Leid tun.“ Er drückte mich gegen einen von Malefiz geschaffenen Spiegel, worauf ich mich ihm entgegen stemmte. „Hey, was zur Hölle soll das?!“, fauchte ich und kniff die Augen zusammen, wobei ich immer wieder hoffte, dass das ganze kein schlechter Hentai war. „Wenn wir nicht dich haben können, dann wenigstens eine Kopie von dir.“, zischte die Magierin erbost, worauf ich zögernd und kleinlaut: „Oh nein…“ wisperte. Ich war im Netz und sie die Spinne. Mich sträubend wurde ich nun doch gegen den Spiegel gepresst, den ich mit einem Tritt umstieß. Ein Schallen fuhr durch den beinahe endlosen Raum und die Scherben lagen nun auf dem Boden. Es kam alles so unerwartet. Riku, der mich zuvor gegen den Spiegel gedrückt hatte fiel mit mir zu Boden und Malefiz sah mich geschockt an, ehe sie so etwas murmelte wie: „Wie kann nur etwas so banales meinen genialen Plan zerstören?“
Ein Moment peinlicher Stille trat nun ein, keiner tat etwas. Malefiz war mehr oder weniger ausgeknockt und Riku leicht benebelt. Ich hingegen war total genervt – So ein Kindergarten! „Geht’s noch?“, knurrte ich genervt und meinte dann mit meinen Fingern auf den Boden trommelnd, da ich auf dem Bauch gelandet war: „Riku, könntest du mal bitte aufstehen, mein Rücken tut weh!“ Unentschlossen sah Riku zu Malefiz, welche nur eine abweisende Handbewegung machte, worauf er von mir runterrollte. Wurde aber auch Zeit! „Geht das demnächst auch ein bisschen ungefährlicher und ohne irgendwelche Aktionen?“, murrte ich, rappelte mich auf und klopfte meine Kleidung ab. Wann wurde hier zuletzt geputzt?! „Also, ich würde ja wirklich gerne  weiterplaudern, aber ich würde gerne wieder zurück zu – Sekunde… Wo zur Hölle bin ich hier eigentlich?!“ Malefiz knurrte nur und warf Riku einen Blick zu, der dann aufstand und auf mich zuging. „Rekapitulier im Geiste noch einmal ganz genau deine Entscheidung.“, meinte er nur und sah ich durchdringend an, ich jedoch erwiderte seinen Blick und drückte mit einem Armeverschränken aus, dass ich wusste was ich tat. Der Silberhaarige schüttelte nur den Kopf und sah mich dann mit einem Blick an, der in meinen Augen ausdrückte, dass er mich dumm fand. Ich zog eine Augenbraue hoch. Was sollte das? Plötzlich zog er mich zu sich was mich noch verwunderter machte, ehe ich einen Finger an meiner Schläfe spürte, wo er plötzlich zudrückte.
Das Geräusch von leicht aneinander reibendem Stoff erklang kurz, worauf es wieder ruhig wurde. Malefiz blickte zu Riku, der die Braunhaarige vor sich hatte. Sie war nahe an ihm heruntergestreift und ohnmächtig. Der Blauäugige ließ sie los, worauf die nach hinten wegkippte. „Ich habe sie betäubt, du kannst mit ihr machen was du willst.“, meinte er nur und lehnte sich an die Wand, worauf Malefiz ihn angrinste. „Gut gemacht.“ „Ehrensache. Was hast du mit ihr vor? Töten?“ Malefiz schüttelte den Kopf. „Lass dich überraschen.“, meinte sie nur und lächelte zufrieden. Ehe sie die einzelnen Splitter aufhob und dann einen auf den beinahe leblosen Körper des Mädchens warf. „Wenn sie sich bewegt murks sie ab, so wichtig ist sie nun doch wieder nicht. Aber mit ihr können wir am besten rauskriegen was der Kleine als nächstes vorhat.“ Der Silberschopf nickte und hockte sich zu dem Mädchen, worauf die dürre Frau aus dem Raum verschwand. Irgendwie fühlte er sich beobachtet, und damit hatte er auch irgendwo Recht denn…
Ich riss meine Augen auf und grinste. „Silberfuchs!“, flüsterte ich und reckte mich wonach ich ausgiebig gähnte. „Is sie weg?“ Riku starrte mich perplex an. „Was?“ „Na, ob die olle Kuh weg ist! Danke, dass du mich nicht wirklich betäubt hast!“ „Äh, wie nicht wirklich betäubt? Aber ich wollte doch und… Silberfuchs?!“ Schief glotzte er mich an. „Jetzt schau nich so wie ein Auto! Silberfuchs ist mein Kosename für dich! Ich bin schlecht im Namen merken…“ Ich grinste schief, während Riku irgendwas an meinem Rücken herumfummelte. „Du willst mich jetzt doch nich umbringen oder?“ Fragend hob ich eine Augenbraue an und rollte zur Seite. „Das is nämlich moralisch verwerflich, weißte?“ „Entweder du rennst jetzt um dein Leben, oder ich werd moralisch verwerflich.“ „Aber ich weiß doch gar nich wo ich hinmuss!“ „RENN!“, knurrte er und hob den Splitter an. „Du machst mir Angst!“
Ich sprang auf und wich zurück, wobei ich nach einigen Schritten wieder rücklings hinflog. Silberfuchs hielt an, hockte sich vor mich hin und so halbwegs über mich ehe er den Splitter zu meinem Hals führte, was mich käsebleich anlaufen ließ. Meine Halsschlagader pochte so schnell und laut, dass ich sie beinahe schon hören konnte. Ich verkrampfte mich total und blickte in das eisige Blau seiner Augen. „Ich habe ja gesagt, du sollst laufen.“, flüsterte er und drückte die Scherbe leicht an meine Kehle. „Ich bin noch zu jung zum Sterben! Ich hatte ja noch nich mal meinen ersten Kuss hinter mir.“ Tränenwasser sammelte sich in meinen Augen und ich fing an zu heulen. „Das ist so gemein, die Welt ist so ungerecht!“ Riku sah mich unüberzeugt an, ließ aber nich von mir ab. „Und?“, fragte er und hob eine Augenbraue an. „Es is’ deine eigene Schuld, du bist nicht gelaufen.“ „Gefühlskrüppel!“, motzte ich während meine Tränen die Wangen hinabrollten, dann fügte ich nach einem Schniefen hinzu: „Na los, bring mich schon um, für dich isses doch eh nur wie Gemüse schneiden.“ Er legte den Splitter bei Seite. „Ich würde vorsichtiger sein mit dem was du sagst.“ Mit den Worten stand Riku auf und zog mich einfach mit hoch. Zitternd klammerte ich mich an ihn und wischte mir die Augen trocken. „Erschreck mich nich mehr so arg! Wie soll ich jetz zu Sora zurückkommen?“ „Wenn’s Malefiz dir erlaubt.“ Und als er vom Teufel sprach kam sie auch schon um die Ecke. „Oh, wie schön, ihr versteht euch!“, zwitscherte sie und grinste. „Er wollte mich umbringen!“, fuhr ich die dürre Schachtel an und schnaubte dann. „Ja, ich würd’ sagen wir verstehen und ganz gut.“ Riku nickte und grinste. Ich schniefte, ließ Silberfuchs los und wandte mich ab, worauf ich murmelte: „Keiner hat mich lieb…“ „Aber das stimmt doch gar nicht!“ Malefiz schlängelte sich um mich herum und lächelte. Das sah gruselig aus! „Du willst doch nur, dass ich böse werde!“ „Böse? Wir? Aber Schätzchen…“ Sie lachte auf und tätschelte meinen Kopf, was ich überhaupt nicht leiden konnte. „Streichel nich meinen Kopf!“, motzte ich und nahm ihre Hand von meinem Haupt worauf sie zurückwich und eine Augenbraue anhob. „Nun gut. Bleibst du, oder willst du gehen?“ Das war doch jetzt nicht der ihr Ernst? Das war doch einfach kein richtiger Bösewicht. „Ich geh…. Aber wohin?“ „Riku bringt dich.“ Der Silberhaarige sah nun verwirrt auf, worauf er sofort entschlossen dreinblickte. „Natürlich.“ Was war das für eine Logik? Nein, ich versuchte es erst gar nicht zu verstehen. Ich würde verrückt werden, wenn ich das täte! „Ähm, ja… und was soll ich dann zu Sora sagen? Das Böse hat mich entführt oder wie?“ Ich blickte schief zu Silberle und Malefiz, die doof dreinschaute. „Du wirst hierüber kein Wort verlieren.“, meinte sie nun und schob mich und Riku aus dem Raum. „Aber-“ Gerade als ich etwas sagen wollte knallte ein großes Tor zu. Riku hingegen schubste mich in eine Apparatur, von der ich ausnahmsweise mal wusste was es war. Ein Gumi-Jet. Nach kurzer Verwirrung sah ich zum Silberfuchs und legte den Kopf schief. „Ich dachte ihr würdet euch beamen, so wie man immer in so Science Fiction-Filmen hört. Oder is das alles ne Lüge?“ „Doch, machen wir auch, aber wir haben grade ein Problem mit der Magie. Keine Ahnung.“ „Und wofür ist der Knopf hier?“ ich wollte auf einen Knopf drücken, worauf mir Riku die Hand festhielt. „Oh, ein Schalter!“, meinte ich freudig und wollte daran ziehen als der Silberhaarige auch die andere Hand abfing. „Kannst du nicht einfach mal die Klappe halten?“, fragte er und ließ meine Hände dann los. „Okay.“ Aber um meine Fingerchen still zu halten, war ich einfach zu neugierig.

13.. Kapitel  

„Ich hab Hunger! Wann sind wir endlich da?!“, motzte ich und sah mich ungeduldig um. Wie lange war ich jetzt eigentlich schon weg? Selbige Frage stellte ich dann auch Riku, der darauf antwortete: „Ein paar Stunden… zu mindest bei uns. Für die anderen werden es nur ein paar Minuten sein. Zeitverschiebung im All und so.“ ich hatte nicht wirklich viel Ahnung von so was und nickte einfach nur. Warum mit etwas beschäftigen, was sowieso zu hoch für mich war? Bloß nicht überfordern! „Ahja.“ Ohne irgendwas auch nur ansatzweise zu kapieren nickte ich nur, warum auch? „Ich hab immer noch Hunger, Silberfuchs!“ Selbiges bekam er auch von meinem Magen zu hören, der herumpolterte. „Nenn mich nicht so, das nervt.“, meinte er und konzentrierte sich auf das Herumgefliege. Wie langweilig! Ich stand von meinem Sitz auf und latschte ein wenig herum. Es war so ermüdend die ganze Zeit nur durchs Weltall zu flattern, obwohl ich grade mal ein paar Minuten da war. „Seid ihr Bösen eigentlich alle so-“ Er warf mir einen stechenden Blick zu – Tja, leider daneben, denn dafür gab ich nicht gerade viel. Kurz versuchte ich die passenden Worte zu finden, dann gestikulierte ich kurz und redete weiter. „So gemein und langweilig?“ „Halt einfach den Rand!“ Kurz zögerte ich, dann nutzte ich das natürlich aus. „Nur wenn du mit mir shoppen gehst!“ Shopping… ich hasste es! Aber ich hatte einfach keinen Bock in einer Jeans und einem Top durch die Weltgeschichte zu tuckern. „Hast du sie noch alle?!“, fragte er recht angenervt und warf mir einen Seitenblick zu. „Ich? Nö.“ Grinsend sah ich mich wieder bei den vielen kleinen, blinkenden, funkelnden, glitzernden Knöpfen um. Wie groß doch die Versuchung war darauf herumzuhämmern. Kurz schaute ich, ob Füchschen hersah, dann sah ich zum großen, roten, Knopf vor mir. Was der wohl zu bedeuten hatte? Wie ein kleines Kind starrte ich den Knopf an, dann legte ich vorsichtig den Zeigefinger auf. Ohne Druck, so das er nicht betätigt wurde. „Drück das Ding nicht, es sei denn du willst, dass ich herauskatapultiert werde.“, murmelte der Silberhaarige und konzentrierte sich auf das Radar, die Hände vom Lenkrad entfernt, anstatt dessen hatte er die Arme hinter dem Kopf verschränkt und sah gelangweilt voraus. Ich zog leicht beleidigt meine Griffel von dem Knopf und setzte mich wieder brav hin. Gähn! Ging es noch langweiliger? „Gehst du jetz mit mir Kleider kaufen?“ „Kannst du knicken, ich tu mir doch keine Modenschau an von wegen: ‚Steht mir das?’ oder ‚Findest du ich bin zu dick?’“ Leicht herzlos drückte ich einfach auf den roten Knopf, merkte aber, dass sich nichts tat. „Was zur Hölle?!“, murmelte ich, als Riku nur grinsend meinte: „Kindersicherung.“ „Wozu habt ihr so was überhaupt?“ Ich sah schief drein und drückte weiter wie eine Bekloppte auf den Knopf um die Sicherung irgendwie zu knacken. „Für solche Fälle wie dich. Und so leicht schaltet sich die Sicherung nicht aus, du Genie.“ „Fiesling.“ Ich murrte und lehnte mich dann in dem Sitz zurück. Zeitgleich mit einem Gähnen meinerseits fuhr er sich durch die Haare. „Ich will einfach nur neue Klamotten und keine Modenschau.“ Er blickte zu mir, als ich das sagte, dann rollte er mit den Augen. „Hältst du mich eigentlich für bescheuert?“ „Sollte das ne Fangfrage sein?“ Verunsichert blickte ich ihn an worauf er schnaubte. „Ich gehe ganz sicher nicht mit dir einkaufen!“
„Lass mal da rein gehen!“ Eine Stunde war schon vergangen, seit wir durch verschiedene Welten gereist waren. Keine jedoch enthielt nette Kleidung. Doch dann stand ich vor meinem Traum. Ich zog den Silberhaarigen mit durch die Einkaufshalle und dachte so gut wie gar nicht mehr an… wie hießen die noch gleich? Egal. „Oh, das will ich anprobieren!“ Ich ließ ihn los und hing einige Kleidungsstücke ab mit denen ich in die Umkleide verschwand. Erstes Outfit. Ich trat heraus und warf mich in Pose, er hingegen saß genervt auf einem Stuhl. „Geht das?“ Ich drehte mich einmal um die eigene Achse. „Nein. Das Blau von der Bluse sieht dumm aus. Außerdem ist die Stoffhose lila. Das passt nicht.“ Männer und Mode. Naja, er würde es schon besser wissen, was den Leuten gefiel. Aber irgendwo hatte er Recht, die Hose zwickte. Ich verschwand wieder in der Kabine und stolzierte nachdem ich einige Klamotten ausprobiert hatte, zu denen der Silberfuchs immer ‚Nein’ sagte, wieder mit einer zufällig herausgegriffenen Kombi heraus. „Sag nichts, ich kann es mir schon denken. Nein.“ Er hingegen sand auf und musterte mich von oben bis unten. „Is okay. Lass das an, pack deine alten Sachen ein, ich bezahl. Ich nehm nämlich nich an, dass du flüssig bist.“ Ich grinste schief und nickte. „Stimmt.“ Kurz rückte ich mein weißes, mit hellblauen Flügeln  bedrucktes Shirt zurecht und zog die mit selben Muster bedruckte Jeans die ziemlich locker an mir herab hing nochmal hoch. Was mir an ihr gefiel, waren die beiden Ketten an den Seiten und der diesmal weiße, große Flügel auf der rechten Seite. Mir persönlich gefielen aber doch die Schuhe am besten. Schwarz-gräulich und gemütlich, so was gab es bei uns nicht. Obwohl, sie den Converse etwas ähnlich sahen. Jedenfalls nicht dermaßen schick. Zufrieden mit mir selbst blickte ich in den Spiegel. Genial! Riku, der schon bezahlt hatte rief mich heraus, worauf ich freiwillig sogar in den Gumi-Jet jumpte und den Rest der Fahrt ‚genoss’. „Du, Riku?“ „Ja?“, entgegnete er müde und leicht genervt worauf ich dann fragte: „Wohin wollten wir eigentlich nochmal?“ „Zu Sora.“ „Oh… stimmt ja.“ Ich nickte und fuhr mir durch die Haare. „Sei mal kommunikativ.“, meinte ich und blickte Riku an, der darauf nur schwach seufzte.
Ich lag jetzt schon einige Minuten nach der Fahrt hier und hatte es mir gemütlich gemacht. Plötzlich hörte ich lauteres Geschrei, welches dann aber plötzlich leiser wurde als sich die Arenentür öffnete. Das hundeähnliche Wesen kam zuerst zu mir. Wie hieß es nochmal… genau, er, Goofy! Ich sah ihn an und schaute fragend drein, worauf er zur Arenentür rief: „Sie ist wieder wach!“ Ach nee! Schnelle Schlussfolgerung! „Joa. Würd ich ma sagen.“ Mit den Schultern zuckend sah ich nur zur Tür, durch welche Sora und Donald hineinkamen. Ich hätte die beiden beinahe vergessen! Entsetzlich! „Du trägst ja ganz andere Kleider!“, meinte Sora und sah mich schief an worauf ich sagte: „Joa… ich… hab mich umgezogen?“ Abkaufen würde er mir das ganz sicher NICHT! „Und woher hast du die?“ „Äh-“ Donald mischte sich ein. Glück gehabt! „Ich denke wir sollten fortfahren mit dem Training.“ „Waren wir uns nicht darüber einig, sie zu schonen?!“ Ich rappelte mich auf und blickte an mir herunter. „Ich… will’s nochmal versuchen.“ Mit gesenktem Blick stellte ich mich an der Startlinie auf. „Zu verlieren hab ich jetzt eh nix mehr.“ Ich hob den Blick und atmete tief ein. „Okay.“, stimmte Sora zu, als ich so entschlossen war. Erst hatte er gezögert doch nun ließ er Phil die Herzlosen mit einem Handzeichen befreien. „Was willst du tun?“ „Das Schwerste das es gibt.“ Der Satyr sah mich schief an, ehe Sora nickte. „Lass sie. Sie soll kämpfen wenn sie das unbedingt will.“ Bei dem Anblick der Herzlosen bekam ich wieder Angst, doch dann fielen mir wieder meine Worte ein, dass ich eh nichts mehr zu verlieren hatte. Außer meinem Leben halt. Ich holte noch einmal tief Luft, dann begab ich mich in Kampfposition. Doch als ich dann sah, welchen Gegner sie für mich ausgewählt hatten konnte ich nur schief schauen. Das kleine schwarze Viech krabbelte auf mich zu, während ich mich hinkniete und die Hand nach ihm ausstreckte. „Also bitte… das ist doch nur ein… wie heißt das eigentlich?!“ Ich blickte anfragend in die Runde, worauf mir Sora mit einem kurzen: „Schattenlurch.“, antwortete. „Sag ich doch… is doch nur ein Schattenlur- ARGH! Es hat mich gebissen!“ Ich sah auf meine Hand die ziemlich blass war und holte aus um dem Viech eine zu verpassen, doch ich schlug einfach hindurch. „Was zur…“ Ich schüttelte es von mir und probierte weiter, jedoch ohne Erfolg. „Ach, dann mach doch was du willst!“, maulte ich das Tier an das jetzt nur schief drein sah. „Ja, genau das mein ich! Du hast keinen Funken Anstand!“ Sora und die anderen verkniffen sich das Lachen, während dieser Schattenlurch weiter mit einem strunzdummen Blick vor mir saß und mich ansah wie ein Auto. „Jetzt tu doch wenigstens so als hätte es wehgetan!“, knurrte ich, worauf es sich umdrehte und einfach davon spazierte. „Wie gemein… keiner hat Respekt vor mir!“ Aus Wut trat ich eine herumstehende Kiste weg, worauf sich Donald, Goofy, Phil und Sora nur kaputtlachen. Plötzlich. Ein Ächzen und ein schwarzer Fleck auf dem Boden der nach einiger Zeit verschwand. Wir starrten wie gebannt darauf. Hatte ich etwa das süße Lurch-Tier von eben umgebracht?! Irgendwie tat es mir Leid… Naja, was soll’s. Sora legte mir die Hand auf die Schulter und meinte nur: „Du hast es geschafft. Respekt.“ War das da ein Lob? Für mich? Ich freute mir einen Keks ab und hüpfte herum. Endlich jemand, der meine Taten würdigte! „Hey, komm mal wieder runter!“ Der Satyr machte eine Geste, die mich langsam wieder zur Besonnenheit brachte. „Okay… und was jetzt?“ „Jetzt kommt erst das Training.“ Phil und Sora grinsten, bei der Aussage Donalds. Ich hingegen sah nur schief drein. Bitte? Jetzt? Training? Nicht mit mir! Ich hatte doch grade erst das Shopping und etwas Training hinter mir! Doch bevor ich irgendwas sagen konnte hatte Phil schon mit Sora Fässer aufgestellt und rief mir zu: „Hier, die zerschlägst du in 25 Sekunden alle.“ „Aber ich bin ein Mädchen, ich brauch länger!“ „Ja, dafür sind’s ja FÜNF und 20.“ Phil grinste, worauf Sora nur ein schiefes Lächeln hervorbrachte. „Das ist abartig…“, murrte ich aber machte mich bereit. „Wann läuft die Zeit?“ „Schon seit 5 Sekunden.“ „D’OH!“ Ich knurrte und rannte los, stolperte und flog vor ein Fass, welches gegen das nächste flog und zerstört war. Jetzt waren es noch etwa zehn, und für den Sturz brauchte ich schon etwa 3 Sekunden. Okay, ich fing an zu rechnen während ich mich auf die nächsten Fässer stürzte. Zwei geteilt durch 20? 10. Das alles dauerte viel zu lange! Ich nahm ein Fass und warf es auf drei andere, womit ich schon wieder vier vernichtet hatte. Ein Glück das sie so nah bei einander standen. Da waren Behälter sieben und acht. Schnell hatte ich auch die vernichtet, wie lange ich wohl noch hatte?  „STOP!“ Ich wollte grade zu den beiden Letzten rennen, als der Satyr zeitgleich mit Sora das Kommando zum Anhalten gab, worauf ich über meine eigenen Füße stolperte und mich alle Nase lang auf’s Maul legte. „Verdammt!“, knurrte ich und merkte erst dann, dass mein Riechkolben angefangen hatte zu bluten. Besser konnte es ja nun echt nicht mehr werden! Im Gegenteil, es wurde noch schlimmer als erwartet. „Versuch’s nochmal.“ Ich wischte das Blut von der Nase und sah Phil an, dann sagte ich: „Aber diesmal sag ich wann du die Zeit laufen lässt.“ Wieder wurden Fässer aufgestellt. Irgendwie zweifelte ich an mir selber – Ich gehörte doch nicht wirklich hierher, was machte ich hier? Das war einfach nicht meine Welt, und das war nicht nur als Sprichwort gemeint. Aber was konnte ich schon großartig ändern… immerhin war ich beinahe alleine und fühlte mich zwischen den beiden Seiten hin- und hergezogen, und ich musste mich ernsthaft fragen: Wo passte ich eher hin? Und was für Folgen würde das bringen, sich für eine Seite zu entscheiden? Der Heldenausbilder hatte schon längst das Startzeichen gegeben, und wie von selber zerstörte ich ein Fass nach dem anderen, ohne davon wirklich etwas mitzubekommen. „Und aus! 17 von 25 Sekunden!“ Ich hielt an und sah zu Phil. „Aha.“, meinte ich knapp und hatte gar nichts wirklich registriert. „Naja, egal, ich hab jetzt Lust auf ordentliche Konversation.“ Sora sah mich fragend an. „Na, wenn ich schon nichts zu essen bekomme, dann will ich wenigstens plaudern.“ Eigentlich war das nicht meine Art, ganz und gar nicht. „Aber wir haben doch kaum mit dem Training angefangen.“, meinte Goofy, worauf Donald nur mit einem gequaktem: „Ja!“, zustimmte. „Ich habe seit STUNDEN Hunger!“

14.. Kapitel  


„Ach, komm schon, so schlimm kann das doch nicht sein.“ Phil lächelte und räumte die Trümmer der Fässer aus dem Weg. „Geht’s denn noch?“, fragte Sora etwas besorgt. Ob es noch ging? Ob es noch ging?! Ich glaube ich hatte mich da gerade verhört! „Sehe ich so aus?!“, knurrte ich, worauf Sora nur meinte: „Naja, ein wenig blass bist du schon…“ „Mein Magen ist das reinste Karussell! Ich könnte ein Pferd essen!“ „Okay…?“ Der Braunhaarige sah mich schief an, wobei ich einfach mal davon ausging, dass er verstanden hatte, das mein Magen die reinste Sahara war, beziehungsweise noch weniger, da war ja nicht mal ein Staubkorn drin! „Also, was zu Mampfen oder Konversation! N Tee geht auch, Hauptsache was im Magen, und wenn nur Wörter!“ Ein kurzes Schweigen trat ein, ehe Sora sich wieder zu Wort meldete und an Phil gewandt fragte: „Ist es okay für dich, wenn wir eine Pause machen?“ „Lasst euch Zeit.“ Er winkte ab worauf ich freudestrahlend zu Sora spurtete. „Wai~ was zu Essen für mich!“ Mich total freuend rannte ich ihn fast um, ehe ich ihm um den Hals fiel. Kurzes Zögern, dann kam ich wieder zur Besinnung und ließ ihn wieder los, worauf ich leise murmelte: „Sorry, is ’ne Angewohnheit.“ „Schon okay. An welche Speise hast du gedacht?“ „Solange ich satt werde ist mir das egal.“
Nachdem ich den Teller leer gegessen hatte sah ich zu Sora, der grade mal die Hälfte aufhatte von… was auch immer er da aß. Keine Ahnung, aber ich hatte es auch gegessen. „Wie langsam isst du?!“, fragte ich mit einer leichten Spur Entsetzen in der Stimme. Der Braunhaarige sah auf und blickte mich nun ernsthaft an. Was war denn jetzt los, hatte ich irgendwas Falsches gesagt? Ich schätzte schon. Als er mit Reden anfangen wollen, murmelte ich sofort schon: „Tut mir Leid.“ „W-Was denn?“ Er sah mich leicht verwirrt an, dann meinte er: „Du hast doch gar nichts Schlimmes getan.“ „Warum schaust du dann so ernst drein?“ Er seufzte, wandte den Blick leicht ab und fuhr sich kurz durch seine Haare, dann blickte er mich wieder an. „Naja… also… Es… Es gibt da so Regeln…“ Normen? Ich blickte ihn fragend an. Irgendwie wirkte Sora nervös, er legte sich wohl innerlich den Satz zurecht den er sagen wollte. Hoffentlich war das nichts negatives, das mich betraf. Ich hatte doch wohl nicht einer dieser ‚Regeln’ gebrochen? Mir war leicht bange, und eigentlich wollte ich das gar nicht hören, aber ich sah ihn weiterhin aufmerksam an. Der Braunhaarige erzählte weiter: „Naja, und diese Vorschriften besagen halt, dass wir... dass wir dich nicht mitnehmen durften…das wäre einmischen…“ „Heißt das, ihr habt wegen mir eine Regel gebrochen und seit jetzt mächtig im Stress?“ „Sozusagen.“ Ich hielt inne, dann setzte ich meinen Satz fort: „Und dieses… einmischen wäre jetzt ziemlich gefährlich?“ „Gewissermaßen. Das könnte sich auf die gesamte Geschichte deiner Welt auswirken.“ Sie hatten wegen mir Probleme… ich senkte den Blick. Würde es überhaupt auffallen wenn ich weg wäre? Ich weiß, es würde viele geben, die ‚Ja’ sagen würden, aber würde es wirklich so fatal sein? Ich würde ja niemals die Welt retten oder so.
„Also… wäre es am besten wenn ich wieder zu meiner Welt zurückkehren würde?“ „Naja, wir können dich ja nicht da lassen…“, murmelte mein Gegenüber und aß den letzten Happen vom Teller worauf er unverständlich murmelte: „Ich will’s nicht Schuld sein, wenn dich einer von diesen…“ „Red nicht weiter, ich will’s mir nicht vorstellen… bitte.“ „Okay.“, meine der Braunhaarige knapp. Ich wollte es mir wirklich nicht vorstellen, außerdem hielt mich der Gedanke fest, was ich an den Herzlosen und diesem Riku so faszinierend fand. Irgendwas war da doch? Mit einem Seufzen erhob ich mich von meinem nicht vorhandenen Stuhl, immerhin saßen wir vor der Arena herum und aßen das komische Zeugs. „Du hast doch irgendwas…“ Sora sah mich besorgt an, worauf ich nach kurzem Zögern antwortete: „Nein. Außerdem kennen wir uns erst ein paar Stunden, wie willst du mich dann einschätzen?“ „Du hast ja Recht.“ Er seufzte und stand dann auch auf. Natürlich hatte ich Recht, nicht mal meine engsten Freunde du Verwandten konnten mich so wirklich einschätzen, nicht Daniela und auch nicht Lisa. Lisa? Sie war doch nicht etwa auch…? „Ich… ich muss mal ganz kurz meine Ruhe haben.“ Mit den Worten verschwand ich aus dem Raum um mich erstmal auszuheulen. Irgendwo in einer Ecke hockte ich nun und verlieh meinen Sorgen Gestalt. Sie wurden zu den Tränen, die nun über meine Wangen rollten, und dann, als sie vom Fall aufkamen, den Boden benetzten. Meine beste Freundin würde auch einer von IHNEN sein… vielleicht konnte ich das verhindern? Eigentlich brauchte ich gar nicht lange nachzudenken. Ich musste Lisa und Dani retten, und dazu musste ich an die Quelle des Bösen… was dachte ich da?! Niemals! Wenn wir das Unrechte besiegt hatten, dann würden sie doch auch wieder auftauchen! Mit der Rechten verpasste ich mir selber eine Ohrfeige. Klaren Kopf bewahren, ich durfte einfach nicht auch zu einer von diesen Herzlosen werden, oder so in der Art, sonst könnte ich meine Freunde niemals wieder aus dem Schwarz herauszerren, wenn sie nun darin waren, obwohl das kaum auszuschließen war. Seufzend stand ich wieder auf und betrat die Arena. „Hast du gegessen? Können wir weitermachen?“, fragte Philoctetes direkt als ich hineinkam, worauf ich nur abwinkte und nochmal über mein Gesicht wischte. „Klar.“ „Naja, immerhin hast du geschafft welche zu besiegen, dann schauen wir jetzt, welche Waffe am besten zu dir passt…“
„Zu schwer!“ Ich schliff eine Metallkeule hinter mir her. So schön die auch glitzerte, anfangen konnte meine Wenigkeit damit dann doch nicht wirklich was. „Ach, komm, das bisschen Gewicht!“ Der Satyr grinste überlegen und versuchte mir das Teil abzunehmen, worauf er selber zusammensank. „Ahja…“
Sora, der inzwischen zurückgekehrt war, war ziemlich begeistert von der Idee, mir einen Zauberstab anzudrehen, Donald hingegen war ganz und gar nicht dafür, denn ich wäre ja untalentiert und hätte den Zauberstab nicht verdient. Der Braunhaarige ging zu Donald, nahm ihm den Stab ab und drückte ihn in meine Hände. Nun ja, leicht war er. Interessiert wedelte ich mit dem Stab herum, der auf einmal Feuerbälle auflodern ließ. „Iek!“, kreischte ich und ließ ihn fallen, worauf verschiedene Zaubersprüche, von Eis bis Wind aufeinander folgten. Donald konnte mich nach dem Zwischenfall nur noch weniger leiden.
Das mit dem Schwert kannten wir ja schon. Trotzdem wollte Donald unbedingt, dass ich das mal ausprobierte und nahm ein leichtes Katana und drückte mir es in die Hände. Anfangs ging das noch ganz gut, nach ein wenig Herumgepose aber stellte sich da ein Problem heraus: Es war zu groß und ich geriet immer wieder aus dem Gleichgewicht. „Komm das hält man so!“ Sora versuchte es mir zu demonstrieren, scheiterte aber auch kläglich, denn er war nur an das Schlüsselschwert, wie er sagte, gewohnt. Na wunderbar!
Als der Versuch mit einer Zwille nun auch gänzlich gescheitert war gaben wir es auf und hockten uns auf die Bank. Was nun? „Habt ihr eine Idee?“, murmelte ich worauf alle mit dem Kopf schüttelten. „Vielleicht solltest du wirklich nicht kämpfen.“ Goofy klopfte mir auf die Schultern als ich ihn entsetzt anblickte und sagte: „Ich muss mitmachen! Immerhin ist meine Welt auch derbe in Gefahr!“ Meine Faust war instinktiv geballt, worauf Sora mich angrinste. „Wir haben deine Waffe gefunden!“ „Nanu?“ Verwirrt blickte ich meinen menschlichen Kumpel an, der auf meine Faust deutete. „Ich kann aber gar nicht gut boxen!“ „Kickboxen?“ „Ist dasselbe, ich kann so was nicht!“ Mit den Worten erhob ich mich von meinem Platz. „Stell mal die Figuren auf!“, meinte Donald zu Phil, welcher nur nickte und die Anweisung befolgte. Was sollte das? Ich hatte es doch gesagt: ‚Ich kann so was nicht!’ Wortwörtlich! Genervt knurrte ich und stellte mich auf taub. Ich hatte davon anscheinend rein gar nichts gehört und ignorierte jegliche Anweisungen – kackendreist. „Was ist, warum tust du nichts?“ Sora blickte mich schief an, worauf ich nur leise: „Kein Bock.“, murmelte und zusah, wie Soras Hand, Bekanntschaft mit der Stirn machte. „Warum willst du denn nicht?“ „Ich habe dir doch schon gesagt: Ich kann so etwas nicht!“ „Aber du hasst diese Viecher doch, oder?“, fragte Donald nun und sah mich schief an. „Ja… nein… keine Ahnung.“ Ich senkte meinen Blick, Phil streckte sich etwas und klopfte mir auf die Schultern. „Tu es für deine Freunde.“ Meine Freunde? Meine Freunde waren jetzt tot! Sora und die anderen konnte ich doch nicht als Freunde betrachten, immerhin kannte ich die erst seit einigen Stunden, und Riku auch nicht, der einzige Freund den ich hatte war jetzt nur ich selbst. „Wer sind denn meine… Freunde?“, fragte ich leise, worauf Sora mich nun eher wütend als erstaunt ansah. „Du scherzt, oder?! Wir natürlich!“ Das klang so selbstverständlich, als würde es wahr sein. War es das? „Hör auf die Stirn zu runzeln, wir stehen voll und ganz neben dir!“ „Hinter dir.“ Donald verbesserte Goofy, der darauf nur lächelnd nickte. Seufzend hob ich den Blick an. „Du denkst zu viel nach.“ Sora lächelte mich nun sanft an, anscheinend schien er nicht mehr sauer zu sein.
„Ich weiß.“ Seufzend stellte ich mich in Schrittstellung hin, Phil gab das Kommando. Was man machen musste tat man nun mal, so dauerte es nicht lange und die Figuren waren niedergestreckt… oder so. Jedenfalls freute Phil sich und meinte ich wäre schon ziemlich gut und ich könnte Juniorheldin sein. Na klar. Wenn ich genauer drüber nachdachte, war der einzige Grund, warum ich da mitmachte, waren meine Freunde. Sora ging es doch auch so, oder? Zumindest dachte ich es wäre so. Aber irgendwie fühlte ich mich nicht so wirklich zugehörig – Ich, die Witzfigur  meiner Stufe sollte auf einmal die ganze Welt retten? Lustig, lustig tralalalala… Verarschen konnte ich mich selber! Das ganze war bestimmt wieder nur einer meiner kranken und völlig abwegigen Träume, wenn ich mal genauer drüber nachdachte. Aber dafür schien alles einfach zu echt.
„Das Training ist beendet!“ Na endlich! Gequält stöhnte ich auf und wischte mir den Schweiß von der Stirn. „Und was genau hab ich jetzt heute gelernt innerhalb der drei Stunden Intensivtraining?“ „Bessere Abwehr und besserer Angriff.“ „Oh…und ich bin jetzt erlöst und so ne komische Juniordingsi?“ „Heldin. Ja.“ Sora grinste mich an. „Stopp, wer hat was davon gesagt?“ Phil sah Sora schief an, welcher sich grinsend umdrehte und meinte: „Ach, komm schon, immerhin haben wir auch unsere Auszeichnungen, also warum nicht auch sie?“ „Sie ist eine SIE!“, meinte Phil und stemmte die Hände in seine… Hüften? Wie auch immer. „Ähm.... Emanzipation?“, fragte ich nur leise worauf Phil zu mir sah. „Nein, nein und nochmals nein! Trainiert bist du, aber du hast nicht das Zeug zum Helden! Du bist eine FRAU! F – R – A – U!“ Meine Gruppe und ich blickten ihn gleichermaßen unbeeindruckt an, als sich die Tür öffnete. Heraus trat ein ziemlich gut gebauter Mann – Aber nicht mein Typ. Er muss so um die 20 gewesen sein, denke ich mal.  „Hey, Sora, Donald, Goofy! Und… Hey, wer bist du denn?“ Er kam zu mir und reichte mir die Hand. „Ähm… Jennifer, kannst mich aber auch Jenn nennen… und du bist?“ „Hercules. Meine Freunde nennen mich Herc! Warum das lange Gesicht?“ „Phil will ihr nicht die Heldenlizenz geben, dabei hat sie alle Prüfungen bestanden!“, rief Sora dazwischen, worauf Hercules Phil ansah. „Warum nicht?“ „Er sagt, das ist weil sie eine Frau ist!“, warf nun Goofy ein, worauf ich nur nickte. „Das ist doch kein Grund! Helden kann man nie genug haben, ob männlich oder weiblich, oder ob Mensch oder Ente!“ Da musste ich Hercules beipflichten. Hatte man hier wirklich noch nie was von Gleichberechtigung oder ähnlichem gehört? Was würde Olympe de Gouges dazu sagen? Letzteres war ein Name, den ich mal im Geschichtsunterricht aufgeschnappt hatte – sie war eine Frauenrechtlerin.  „Also, was is?“, fragte ich noch einmal, worauf Phil seine Augen zu Schlitzen verengte und die Arme verschränkte. „Wie, was is? Meine Entscheidung steht fest!“ Der Größte von uns zuckte mit den Schultern und überreichte mir eine Lizenz. „Hier, bitte.“ „Danke, Herc!“, meinten Sora, Donald, Goofy und Ich wie aus einem Mund.

15. Kapitel

„Wie kannst du so was nur tun?“, meinte Phil, worauf ich ihn ansah und nur meinte: „Man, du bist voll klinke!“ Die Reihe der Helden, blickte mich schief an. Was hatten die denn jetzt? Phil sah mich nur ebenso ratlos an und winkte ab. „Wenn du schon in Hieroglyphen sprichst, erklär sie wenigstens auch!“, kam es mir wieder in den Sinn – das hatte damals ein Lehrer zu mir gesagt, als ich irgendwelche Wort-Neuerfindungen machte, wie ‚angemusikt’. „Ach, vergesst es einfach.“ Sora zuckte mit den Schultern worauf Donald und Goofy nur nickten. „Okay… also wenn du schon eine Juniorheldin bist… Nenn’ mir eine der Heldenregeln!“, forderte mich Phil auf, worauf ich antwortete: „Ehm… ein Held ist nur so gut wie seine Waffe?“ „Genau!“ Herc grinste und klopfte mir auf die Schultern. „Aber die Kraft eines Helden wird nicht an seinen Muskeln, sondern an der Kraft seines Herzens gemessen!“ „Auch das ist richtig.“, meinte der Satyr nun worauf Sora bejahend nickte. Naja, immerhin hatte ich nun etwas gelernt: Spreche niemals Jungen mit stacheligen, braunen Haaren an. Er wird dich mitnehmen und zu einem Fabelwesen in die Kampfarena stecken!
Sie redeten und redeten nun… und um ehrlich zu sein hatte ich nun jegliches Interesse verloren, bis folgender Satz fiel: „Naja, es wird ja auch schon dunkel und ich denke wir sollten uns ’ne Pause gönnen. Oder was denkt ihr, Donald, Goofy?“ „Du hast Jenn vergessen.“, meinte Goofy dann nur und rappelte an meiner Schulter herum. „Oh… Ähm… Ja, da bin ich auch sehr für.“ „Sorry, dass ich dich vergessen hab, bin’s halt noch nich gewohnt.“ „Kein Problem.“, meinte ich nur und grinste. „Wo machen wir denn die Pause?“ „So hier und da. Ich denk mal im Hotel von Traverse.“ Dann zuckte Sora mit den Schultern und grinste. An irgendwen erinnerte mich das. Nun musste auch ich grinsen. Wir machten uns langsam auf zum Gumi.
Nach bestimmt einigen Stunden Flug und einigen Herzlosen, die ja halt so da in Traverse rumlungerten wie Insekten… Hey, ich konnte mir den Namen merken! Nun ja, jedenfalls kamen wir, also Sora, Donald, Goofy und ich dann in einem Hotel an. Schnell wurden wir in ein Zimmer eingewiesen… naja, was man so halt als schnell betrachten wollte, wir mussten dreimal an der Rezeption klingeln! Das nenn’ ich einen Service! „Puh, also da wären wir…“, meinte Donald und schmiss sich auf ein Bett. Goofy setzte sich auf einen Stuhl und Sora sah mich an. „Möchtest du ein Einzelzimmer? Ich kann ja nochmal nachfragen…“ „Nee, geht schon, ich bleib sowieso noch was wach und denk nach.“ „Oh… na dann.“ Er zuckte nur mit den Schulten und zog dann schon mal seine Schuhe aus, was aber auch das einzige was er auszog war. Ob das zu meinen Gunsten war wollte ich gar nicht wissen, immerhin hatte ich mit so was noch gar nichts am Hut. „Ähm… Nacht.“, meinte ich dann nur noch und ging auf einen der Balkone die draußen waren…logischerweise, ich hatte ja auch noch keinen Balkon gesehen der sich innerhalb eines Gebäudes befand, natürlich konnte man da bei Computerspielen cheaten und so… ach, ich hörte schon lieber auf und bewegte mich langsam mal nach draußen, frische Luft tat immer gut um das Erlebte zu verarbeiten, und um es nicht zu vergessen, denn das war eines meiner größeren Probleme. Und so rief ich mir alles noch einmal in Erinnerung, so wie es dieses Mädchen aus Another Code immer tat, damit sie etwas behielt, dazu setzte ich mich auf das Geländer und ließ sie Beine hinüber baumeln und meinte in Gedanken:
„Okay, was war denn heute nun schon so passiert? Völlige Verwirrtheit. Zuerst hatte ich von diesem Jungen, Sora, und seinen Gehilfen, Donald und Goofy geträumt. Was war dann? Ich wurde wach! Genau, in Frau Ottos ultra spannendem Biologieunterricht, von dem ich dann auch entlassen wurde, weil es mir ja nicht gut ging. Da bin ich dann wieder eingeschlafen. Irgendwie war es dunkel da und man hat mich da befreit. Hatte der Traum eine tiefere Bedeutung? Vielleicht hatte der irgendwas mit Riku oder Sora zu tun! Apropos Sora, dann war ich ja wieder aufgewacht und durchs Schulgebäude geirrt bin und von Herzlosen angegriffen wurde. Dann kam der Braunhaarige und hat mich gerettet.“ Ich blickte in die Sterne und dachte weiter nach. „Was war dann geschehen? Stimmt! Ich bin mit den anderen nach Traverse und da hab ich dann herausgefunden wer Cid is! Und dann… dann bin ich von denen weggerannt und hab ein paar Herzlose abgehängt wo ich dann zu Riku kam… Der hat zuerst voll den lieben Eindruck gemacht. Aber ich wollt nich mit ihm mit, der war mir zu aufdringlich, also bin ich einfach in das nächst beste Haus geflohen wo Aerith und Leon drin waren, und die sind dann mit mir zur Kanalisation und der Große hat mir n Schwert in meine Hand gedrückt, dann bin ich eingepennt. Aber irgendwann dann wollte mich doch da wer entführen! Und dann haben die anderen mich wieder gefunden und wir sind halt so ’rumgegangen und dann waren alle weg. Oh man, ich konnte mich an kaum etwas erinnern. Und dann war da so ne große schwarze, bizarre Kreatur. Die hat mir irgendwie Angst gemacht, aber zum Glück hat Riku mich gerettet… und dann…“
Langsam bemerkte ich wie mir die Augen zufielen. Beinahe hätte ich das Gleichgewicht verloren und wäre vom Geländer herab gefallen, aber ich konnte mich noch fangen und sah in die Luft. Erinnerungen an früher wurden wach. Meine Freunde und meine Familie. Wie ging es ihnen? Naja, früher oder später würde ich das schon herausfinden, obwohl das eine ziemlich dumme Frage war. Sie waren Herzlose!
Meine Gedanken wechselten nun schlagartig. Warum war überhaupt ICH hier und nicht irgendein anderer Spast? Ja, die Ausdrucksweise war nicht die Feinste, aber wo ich doch Recht hatte…! Genau so gut hätte auch… was weiß ich, Smithy Werben Jegger Man Jensen sein können… Smithy Dingenskrichen, um genauer zu sein! Warum unbedingt ich? Ich war doch wirklich nichts Besonderes. Keine Prinzessin, keine hübsche Dame und vor allen Dingen nicht wichtig! Weiterhin stierte ich Löcher in die Luft, ehe ich mich entschloss auch rein zu gehen und zu schlafen.
„Beeil dich mal!“, meinte Sora mich hetzend. Schnell kämmte ich mir dann nochmal durch die Haare, und rannte ihm, Donald und Goofy hinterher zum Gumi. Grade als wir die Tür schlossen fing es an zu piepen und zwei süße Backenhörnchen zeigten sich auf den Bildschirmen. Sie salutierten und sagten im Chor: „Chip und Chap!“ Ich quietschte und rannte sofort zum Bildschirm. „Oh, wie süüüß!!!“ „Sora, Donald, wer ist das?“, fragte Chip, der wohl eindeutig Intelligentere der beiden.  „Das ist Jennifer, sie ist neu in unserem Team.“ „Ihr dürft mich Jenn nennen. Gott, ihr seid ja sooo putzig!“ „Was ist überhaupt los?“, fragte Donald die Beiden, worauf Chap meinte: „Wir haben Agrabah entdeckt.“ „Ja! Es ist wieder aufgetaucht an demselben Ort, dafür ist aber das Wunderland verschwunden!“ „Eigenartig. Naja, wir sollten nach Agrabah und schauen, was passiert ist. Alle anschnallen!“, rief Sora, worauf ich mich wieder in eine Ecke hockte und freudig wartete. Hoffentlich war es in diesem Agrabah nicht so warm, das solle ja sehr schädlich für den Teint sein. Voller Elan flogen also Sora, Donald, Goofy und ich durch das All. Nun ja, bei mir war da eher weniger Elan, sondern der Wunsch mich so schnell wie möglich von diesen Menschen zu verabschieden. Aber das war ja dasselbe, oder? Ich meine, wer würde gerne mit drei komischen…Menschen, Enten, wie auch immer kämpfen um seine Freunde zu retten? Also, freiwillig jetzt. Naja, was soll’s.
Ein Rucken fuhr durch das Schiff. „Wir landen, alle mal anschnallen!“ „Wir haben nichts zum Anschnallen.“, meinte ich und sah Donald schief an, der nur die Augen verdrehte.
Und es war doch warm!
Ächzend ging ich hinter den Dreien her. Inzwischen hatte sich Sora wohl irgendwie verdoppelt, oder bildete ich mir das nur ein? „So Leute, wir müssen jetzt zu Teppich, wir hatten ihn ja letztens allein gelassen um unseren Vorrat aufzuladen. Also.“ Er, also Sora, kletterte als gutes Vorbild eine Stange hoch, die wohl zu einem Haus führte, wessen Haus es war wusste ich nicht, aber Donald und Goofy folgten nach. „Ich kann da aber nicht hochklettern!“ „Ach, stell dich nicht so an!“, rief Goofy von oben zu mir, worauf Sora dann weitersagte: „Sei kein Frosch!“ „Aber ich mag Frösche!“, erwiderte ich und legte den Kopf schief, als ich plötzlich merkte, wie mir etwas auf die Schulter tippte. Leicht geschockt drehte ich mich um und es dauerte keine zehn Sekunden, da war ich die Stange hochgeklettert, worauf mir das kleine Schattenlurchtierchen nur verwirrt nachsah… oder so, können die überhaupt Emotionen zeigen? Ach, egal! Jedenfalls war ich also jetzt da oben, als auch schon das nächste Problem winkte.
„Ein fliegender Teppich? Wow~“ Bewundernd blickte ich den Bettvorleger an, der stolz seine Runden im Zimmer flog. „Ja, und damit fliegen wir jetzt in die Wüste, Teppich kennt den Weg ja…“, meinte Sora und lächelte. Schock. Fliegen? Das war doch nicht sein Ernst! Oder etwa doch? Dazu meinte ich nach einigem Herumdrucksen: „Ich muss euch da was gestehen…“ „Solange du keine Flugangst hast…“ Donald grinste und verschränkte die… Flügel? „Ach, sei doch leise…“, murmelte ich und machte einen Schmollmund. „Aber du fliegst doch auch im Gumi!“ „Das ist was ganz anderes…“ Als ich Soras Äußerung erwidert hatte, sah er schief drein und lächelte dann. „Ich halte dich fest und du schließt die Augen, was sagst du dazu?“ Goofy gluckste und meinte dann: „So schlimm ist das nicht, Jenny!“ „Ja klar… wenn man Sora, Donald oder Goofy heißt.“ Dann hockte ich mich aber doch widerwillig auf den Teppich, der mich in’s Herz geschlossen hatte. Es dauerte nicht lange, da schwang sich der Teppich mit Sora, Donald, Goofy und mir in die Lüfte und flog durch die Wüste. Sooo schlimm war das gar nicht! Im Gegenteil, es war sogar sehr schön, man konnte hinabblicken auf Sand und Sand und… Sand…. Naja, da konnte man nichts machen. Wenn schon verloren, dann auch richtig. Wir standen irgendwo mitten in der Wüste als plötzlich…
„Waaah!!! Sora, hinter dir! Donald, da, links!“, kreischte ich wie eine hysterische Kuh, während die anderen die Herzlosen bekämpften, die mich komischerweise in Ruhe ließen. Naja, was soll’s, umso besser, wenn sie sich nicht für mich interessierten. Endlich, sie waren kaputt… Erschöpft seufzte ich und ging zu einem der Treibsandlöcher in denen ein ziemlich verzweifelter Kerl fest hing, welchen Sora, Donald, Goofy und ich dann mit aller Kraft aus dem Sand zogen, doch da tauchte auch schon die nächste Ladung auf. Schnell zog der Schwarzhaarige eine Art Öllampe aus der Hose und schrie nach einem „Genie“… oder so. Jedenfalls kam da dann Rauch aus der Lampe und manifestierte sich zu einem Geist mit ‚phänomenalen kosmischen Kräften’ aber einem winzig kleinem Lebensraum. So ein Pech und Schwefel aber auch! „Schaff die Typen hier weg!“, rief Aladdin diesem Geist zu, der darauf meinte: „Wunsch Nummer eins, ist erledigt!“ Und schon waren sie weg. Warum denn nicht gleich so?! Also zogen wir diesen Jungen heraus, der sich dann nach einigem unrelevanten Gequassel, bei dem ich eh nicht zugehört hatte, als Aladdin vorstellte.
„Also gut äh… Aladdin…“ „Du kannst mich Al nennen!“ Er sah mich grinsend an und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Wie bist du eigentlich an Teppich gekommen?“ Ich sah ihn fragend an, während Sora, Donald und Goofy sich über die Finanzen unterhielten. Der Flugwind brachte meine Haare zum flattern, etwas das ich überhaupt nicht leiden konnte, weil mir dann mein Haar früher immer am Lipgloss kleben blieb. Unter uns bewegte sich der Sand so schnell, ich konnte nur seine Farbe erkennen. Aladdin erklärte, wie er Teppich gefunden hatte, aber irgendwie hörte ich nicht richtig hin, ich war viel zu abgelenkt von dieser schier endlosen Wüste unter uns. Plötzlich, ein zu starker Windstoß. Ich rutschte ab, zu schnell, als das mich irgendwer halten konnte, und auch Teppich war von seinem ursprünglichen Weg abgekommen. Sora streckte zwar noch die Hand nach mir aus, aber da war es zu spät…

16. Kapitel

„Sie ist weg…“, murmelte der Braunhaarige und sah seine Freunde an, welche ziemlich… verstört ’dreinsahen. Man konnte das Mädchen nicht mehr erkennen, sie war schon längst von dem Sand bedeckt. Goofy, von leichten Verlustängsten geplagt hielt sich an Donald fest. Wie konnte so etwas so schnell passieren, einfach durch einen Windstoß? Aladdin schien auch nicht sonderlich glücklich, und auch Teppich hatte Schuldgefühle. So ein kleines Mädchen, im Alter von 14 Jahren konnte doch nicht in einer Wüste überleben!
Ugh… Bah! Sand! Schnell versuchte ich mich durch wilde Armbewegungen von dieser Last freizukämpfen, die seit einigen Sekunden meinen Körper bedeckte. Es gelang mir gerade einmal, mein Gesicht freizuschaufeln, als ich schon merkte, wie einige Skorpione an meinen Beinen herumwuselten. „IEK!“ Entsetzt kreischte ich und befreite mich von den überflüssigen Kilos an Sand. „Oh man… in was für ’n Kaff bin ich denn hier geraten?“ Ein Schmerz zuckte durch meinen Körper. Warum lag ich hier unten, und warum tat mir mein Kopf so weh? Selbigen schüttelte ich und blickte mich um. Nichts. Eine gähnende Leere voller Sand, noch mehr Sand und Wüste! „Naja, schau’n ’mer mal, wo wir hinkommen.“, nuschelte ich vor mich hin und schleppte mich durch die Wüste. Das einzige Leben, was dort war, waren Skorpione und ab und zu ein Skarabäus. Wow, was für eine Party hier abging. Zum Einschlafen. Ganz weit hinten am Horizont sah ich eine Stadt und einen riesigen Palast. Ob es da wohl was zum Essen gab? Ich schleppte mich weiter durch die beinahe unendlich große und heiße Wüste, bis ich, nach bestimmt einer Stunde Lauferei da war und mich in eine der schattigen und kühleren Seitengassen hockte. Ein Junge stand mir fast gegenüber in der Ecke und musterte mich immer beiläufig, während er dann den Blick wieder abwandte und mit seinem Blick beinahe alles einzufrieren schien. Aber diese Augen waren ja auch schon was… Sekunde, was dachte ich da? Und wo war ich hier überhaupt? Vielleicht konnte mir eben dieser Junge eine Antwort auf die zweite Fragen geben, doch er hatte sich schon zu mir bequemt und sah mich von oben herab an. „Ich hab nach dir gesucht.“ „Was?“ Verwirrt blickte ich mein Gegenüber an und legte den Kopf schief. „Ich hab nach dir gesucht!“, wiederholte er etwas lauter. „Nein, ich hab schon verstanden, aber warum stehst du dann erst so lange da?“ Er grinste und meinte dann: „Ich wollt dich testen, du hast anscheinend dein Gedächtnis verloren, Jenn.“ „Jenn…?“, erwiderte ich verunsichert und hob eine Augenbraue an. „So heißt du. Du bist 14 Jahre alt.“ „Oh…“ Ich blickte an mir hinab. Ja, kam gut hin, 14 könnte sein. „Wir sind in einem Team, erinnerst du dich?“ „Nein… sollte ich…?“, fragte ich nach und erhob mich. „Wer bist’n du überhaupt?“ „Riku. Mein Name ist Riku.“ Er grinste mich an und packte mich bei der Hand. „Wir müssen zurück zu Malefiz, sonst beschwert sie sich, dass wir wieder zu viel Zeit mit diesem Sora verplempern.“ „So…ra?“ Nun war ich endgültig verwirrt. „Was denn für ein Sora?“ „Naja, den will Malefiz auslöschen. Und wir sollten uns da erstmal nicht drum kümmern, sie sagt, sie hätte da ihre Leute für.“ „Ach so.“ Jetzt verstand ich schon einiges mehr. Dieser Kerl und ich kannten uns schon länger… aber in welchem Verhältnis standen wir zu einander? „Du… waren wir eigentlich gut befreundet?“, fragte ich und blickte auf unsere Hände. Er schliff mich inzwischen schon durch die halbe Stadt. Ich hörte an einigen Ecken, dass diese Stadt Agrabah hieße. Auch gut.  „Befreundet kann man nicht wirklich sagen… aber wir kamen schon gut miteinander aus. Sora hatte was für dich übrig, und darum wollten wir dich als Lockmittel benutzen.“ „Lockmittel? Naja, warum nicht.“, meinte ich und zuckte mit den Schultern. „Lass dich nicht von ihm einwickeln, hörst du?“ Ich nickte und folgte ihm weiter nach. „Sag mal, was machen wir hier?“ „Eigentlich sollten wir nicht hier sein.“, antwortete er und meinte dann darauf sofort: „Lass uns schnell wieder zu Malefiz. Unsere Helfer werden uns den Weg freimachen.“ Als Riku das gesagt hatte, stiegen einige bizarre Kreaturen aus den Schatten empor und hielten uns einige Menschen vom Leibe. „Hey… voll cool, danke.“ Ich grinste ihn an, worauf er eine Augenbraue hochzog und in einer Art Tor aus Schatten bestehend mit mir aus dieser Stadt verschwand. „Ich werde dir einiges erklären müssen.“, murmelte er und seufzte dann. „Da wäre ich auch für.“ Ich befreite mich von seiner Hand und ging so neben ihm her. „Außerdem werde ich dich trainieren müssen.“ Training? Naja, wenn´s denn sein musste… „Was haben dieser Sora und so eigentlich vor?“ „Das ist nicht von Belangen. Wichtig ist, dass du mir voll und ganz vertraust.“ „Oh… wenn´s sonst nichts ist.“, erwiderte ich und zuckte mit den Schultern. Der Silberhaarige ging ein Stück weit vor und öffnete mir die Türe. „Danke sehr.“, sagte ich und ging durch die Tür, worauf mir Riku nachfolgte. „Nichts zu danken.“ Ich zögerte und hielt an. „Hast du keinen Spitznamen oder so?“, fragte ich nach. Der Name war zu schwer zum merken, und eine ziemlich komische Buchstabenfolge. „Nein.“ Irgendwie fand ich diese einsilbige Antwort unfreundlich, was mich dazu veranlasste eine Schnute zu ziehen. „Darf ich mir einen ausdenken?“ „Nein.“ Mit in die Hüfte gestemmten Händen blick ich stehen, ehe ich eine Frauenstimme hinter mir wahrnahm. „Riku, das ist nicht nett.“ „Aber Malefiz…!“ Die Frau blieb nun neben mir stehen. Sie sah noch ziemlich jung aus, oder sie hatte sich eben für ihr Alter gut gehalten. Wie auch immer, die war also meine Vorgesetzte. „Nichts aber, Riku. Lass Jennifer doch den Spaß.“ „Hör auf sie.“ Riku blickte kurz böse drein aber verdrehte dann die Augen. „Jaja… schon Recht.“ „Wheee!“ Ich ging um ihn herum und meinte dann: „Mir fällt kein Spitzname ein…“ Nun seufzte ich und setzte mich hin. „Na also, da kann Riku doch froh sein.“ Malefiz lächelte und stampfte einmal mit ihrem Stab auf. „So, aufgepasst. Riku, Jenn?“ „Was ist?“, fragte der Blauäugige nach und verschränkte die Arme. „Riku, du wirst Jennifer trainieren.“ „Verstanden.“ Er nickte worauf ich wieder aufstand und salutierte. „Ihr habt exakt drei Tage Zeit.“ „Okay.“, meinte ich und sah dann zu Riku. „Wann fangen wir an?“ Er hob die Augenbraue an und antwortete: „Jetzt sofort, natürlich. Wann auch sonst?“ Ich seufzte und zog abermals eine Schnute. „Wenn’s denn sein muss… Aber pass bloß auf, ich bin eine nicht zu stoppende Todesmaschine!“ Als ich das sagte fing er sofort an zu lachen und nickte: „Na klar, und ich bin der Weihnachtsmann.“ Meine Augen wurden handtellergroß und ich fragte ganz lieb und in zuckersüßem Ton: „Was bekomm ich denn an Geschenken?“ Augenblicklich verfinsterte sich dein Blick und er meinte: „Gar nichts, wenn du nicht aufhörst, verrückt zu spielen.“ „Du bist gemein!“ Ich sah traurig drein und verschränkte die Arme. „Ich mag den Weihnachtsmann nicht mehr!“ „Mein Gott… das grade eben war Sarkasmus, krieg dich mal wieder ein. Wir müssen dich noch zu einer Todesmaschine machen!“ „Achso… okay.“ Ich zuckte mit den Schultern und wich einem Angriff aus, der plötzlich von Rikus Seiten kam. „Was sollte das?!“, fauchte ich, doch wisch nur einem weiteren Schlag aus. „Das ist Training!“, antwortete er und grinste. „Ich mag diese Art von Training nicht!“ Der nächste Schlag saß beinahe, doch er flog gegen mich, da er das Gleichgewicht verlor, und schon lagen wir beide auf dem Boden. Malefiz sah uns schief an. „Wie ihr meint.“ Dann zuckte sie mit den Schultern und verschwand. „Äh… würdest du die Freundlichkeit besitzen und endlich von mir aufstehen?!“ Er rollte sich ab und packte dann mit einer Hand meine Kehle, die er an den Boden drückte. „Du wärst tot.“, meinte er und hob abermals eine Augenbraue an. „Nee ach… aber ich denke kaum, dass dieser Sora sich so auf mich stürzen würde!“ Kurze peinliche Stille, dann erwiderte Riku: „Ich hab mich gar nicht auf dich gestürzt! Ich bin ausgerutscht, das ist alles!“ „Na klar…“, meinte ich um ihn zu necken und schielte dann zu seiner Hand. „Du tust mir weh.“ Er ließ los und murrte irgendwas, was sich nach ‚Immer ich…’, anhörte, ich aber ignorierte das gekonnt, und ließ es als ‚Entschuldigung’ durchgehen. Was hätte er auch sonst sagen sollen? „Danke.“ Ich grinste und drückte ihn dann zu Boden, worauf er mich schief ansah. „Hey, wir tun immerhin so als wärst du mein Gegner, und den muss ich doch besiegen.“ Er verdrehte die Augen und hob mich dann einfach hoch. „Du bist zu schwach, er könnte dich einfach runterwerfen. So etwa.“ Dann warf er mich bei Seite und rappelte sich auf. „Schluss mit den Kindereien.“ Ich sah ihn bittend an, doch er meinte einfach: „Du musst schon selber aufstehen können.“ Ich kniff die Augen zusammen und rappelte mich ebenfalls auf. „Jetzt wird ernst gemacht. Also, probiers hier mit.“ Er drückte mir einen Holzstab in die Hand und hielt selber einen bereit. „Wir werden uns jetzt duellieren. Bis auf den Tod.“ Meine Augen weiteten sich, und die Pupillen wurden kleiner. „B-b-bis auf den T-T-Tod?“, stotterte ich und er lachte. „Nein, das sagt man nur so, um den Gegner Angst zu machen!“ „Ich hab keine Aaaa-“ Er hatte mir die Beine mit dem Stock weggezogen, worauf ich schnell wieder aufstand und ihm mit gleichem einen überziehen wollen, aber er wich aus, wollte schon wieder auf mich einkloppen. Irgendwie kam der Überlebensinstinkt in mich und ich wehrte den Schlag mit meinem Stab ab. Schnell musste ich ihn entwaffnen. Aber wie? Lange Rede, kurzer Sinn. Ich selber kam nicht an ihn ran, also musste er sich selber lahm legen. Ich wisch weiter aus, immerhin konnte ich das zu genüge. Links, Rechts, unten durch. Die Luft pulsierte und es war schwer für mich, einen klaren Gedanken zu fassen, außer, dass ich ihn ungefährlich machen musste. Sicher, es gab da den ein oder anderen Weg, aber das würde dann leicht… naja. Kannte man ja aus Filmen, wenn sich die Heldin auf den Schurken stürzte und küsste, dass dieser ganz erschrocken die Waffe fallen lassen würde, aber ob das bei Riku klappen würd…? Außerdem war ich mir dafür zu fein. „Bleib doch mal stehen, damit ich dich besser schlagen kann!“ „Dann wäre ich lebensmüde!“, antwortete ich und nahm mich vor seinen Schlägen in Acht. Die würden echt wehtun! Schnell musste ich sein und schauen, wie ich den Stab am besten unschädlich machen könnte. Vielleicht würde er ihm aus den Händen rutschen? Keine Chance. Der nächste Schlag verfehlte mich nur knapp und ich war schon außer Atem. „Ich will nicht Aua haben!“, winselte ich während ich weiter auswich, worauf der Silberhaarige schief dreinsah. Diese Chance nutzte ich natürlich und blieb etwas länger an einem Punkt am Boden. Er grinste sadistisch und wollte grade auf mich einschlagen, als ich zur Seite wegrollte.
Das Bersten von Holz ertönte mit einem lauten ‚Krack’. Geschockt drehte ich mich um, und sah Riku, der ziemlich baff dreinsah. Der Stab war zerbrochen, mit solcher Wucht hatte er den Boden getroffen. „…Das hätte jetzt auch ich sein können…“, murmelte ich und Riku sah zu mir. „Genau. Und darauf musst du eingestellt sein. Es muss dir nichts ausmachen.“ Benommen blieb ich am Boden liegen und hechelte vor mich hin. „Na klar.“, brachte ich keuchend hervor und kniff ein Auge zu. Durch das ganze hinfallen war mein Knie ziemlich aufgekratzt. „Wir haben jetzt keine Zeit für Mädchen-Ausruh-Pausen. Steh auf, du kannst nachher noch rumheulen.“ Rumheulen?! MÄDCHEN-AUSRUH-PAUSEN?! Ich stand auf und ballte eine Faust. „Pass bloß auf was du sagst oder du hast so dermaßen eine hängen!“ „Wie niedlich.“ Er grinste voller Hohn und verschränkte die Arme. „Ist das alles was du drauf hast?“ Rot vor Zorn und wirklich wütend stampfte ich einmal auf, sackte dann aber wieder zusammen. Warum musste mir auch grade jetzt alles wehtun? Er hingegen verdrehte die Augen. „Tut’s denn so weh?“, fragte er genervt nach, worauf ich mit sarkastischem Unterton meinte: „Nee, hau nochmal drauf.“ „Hat’s dir denn so sehr gefallen?“, erwiderte er und grinste. „Ach, sei doch leise.“, knurrte ich und kniff die Augen zusammen. „Sagt jemand, der zu meinen Füßen liegt und winselt.“




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